Kategorie: Führung | 05.12.2013

Spirit im Unternehmen… Teil 4

Führung und Vision als entscheidendes Startelement der Entwicklung einer lebendigen Atmosphäre

Ich habe so meine Gewissheiten. (Götz Werner zum Erfolg von dm Markt)
Spannend dazu übrigens der – selbst eingeleitete – Zerfall von Schlecker. Hier kam das raus, was schon immer jeder wusste, der sich für das Thema Vision und Führung interessierte: Da ging es hauptsächlich ums persönliche Bereichern des knauserigen Gründers und seiner Familie und für die Leute blieb aber auch gar nichts übrig. Und selbst die gewonnenen Millionen, die am Ende den Schleckers bleiben, sind wirklich nichts gegen den Markterfolg und Unternehmenswert eines dm Markt. Dies nur zu den betriebswirtschaftlichen Fakten! Die Schlecker Läden zeigten eines ganz deutlich: Schäbigkeit. Armseligkeit sollten sie ausstrahlen, das war’s. Nach Innen und Außen. Natürlich sehen wir in dieser Erscheinung eines Unternehmens immer auch das Bild des Visionärs selbst! Selbst ein ALDI Markt sieht klarer, rationaler und damit besser aus. Die ursprüngliche Vision von Schlecker hatte knauserige Züge, was jeder Besucher sofort beim Betreten eines Marktes erkennen konnte. Und diese Armseligkeit haben die Inhaber konsequent auch sich selbst gegenüber bis zum Schluss durchgesetzt! Auch wenn sie dadurch viel Geld verloren! Ganz anders Götz Werner vom dm Markt aus der gleichen Branche. Der schenkt das Unternehmen seinen Kollegen. Und wenn Sie in so einen Markt kommen, egal ob in der Innenstadt von Stuttgart oder im Düsseldorfer Hauptbahnhof, dann ist dies natürlich ein Unterschied in der Atmosphäre! Auch das gewollt. Und wir sehen daran: Da ist immer eine Wahl, die wahrscheinlich schon bei der Vision losgeht. Da wird nicht von „Sachzwängen“ gefaselt! Und diese visionäre Wahl hat nichts mit einem schlauen Konzept, angemessener Betriebswirtschaft zu tun, sondern mit dem, der eine Vision erkennt, ins Leben ruft und gestaltet! Sachzwänge und „betriebswirtschaftliche Realitäten“ sind immer Ausreden! Vor allem dann, wenn sie im Vordergrund stehen! Und Anzeichen von Fantasielosigkeit! Man muss nicht die Produzenten in den Entwicklungsländern immer weiter in den Preisen drücken, bis diese in menschenunwürdigen Verhältnissen umkommen, um Erfolg zu haben! Das geht natürlich auch ganz anders. Vorausgesetzt, es ist gewollt! Und deshalb muss man keine finanziellen Einbußen befürchten! Typisch auch das Versagen von Großprojekten wie Stuttgart 21 oder BER. Aufgrund allseitigen Absicherungsverhaltens der Verantwortlichen gibt es da kaum Visionäre und visionäre Lösungen, die sich durchsetzen und wirklich etwas Neues schaffen und deshalb folgen im Nachklang dann finanzielle und andere Desaster!

Der Unterschied zwischen gewachsenem Spirit und konstruierter Atmosphäre

Hinter das Leben kann das Denken nicht zurückgehen. (Wilhelm Dilthey, Philosoph)
Das Leben ist einzigartig – auch in einem Unternehmen. Nur: Es hat wenig mit unseren Vorstellungen davon zu tun. Vorstellungen, unsere Ansichten und Theorien, unsere Managementkonzepte sind wie Momentaufnahmen, die den Fluss des Lebens einfrieren wollen. Wie naiv! Das ist auch der Grund, warum wir solche Konzepte nur ganz begrenzt oder gar nicht übernehmen sollten! Wir müssen immer unsere eigenen aus unserer Erfahrung entwickeln. Dies zeigen die Erfahrungen in Unternehmen, die einen starken Spirit haben! Unsere Ideologien und Glaubenswelten legen ganz grobe Raster über die Wirklichkeit. Wenn sich diese verfestigen, wir finanziellen Erfolg haben, meinen wir vielleicht, die absolute Wahrheit zu kennen. Dies gilt sowohl für knauserige als auch für „ganzheitliche“ und „nachhaltige“ Unternehmen. Eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit, es so oder so zu gestalten, Produzenten in sich entwickelnden Ländern massiv mit Preisen unter Druck zu setzen, etc. besteht in keinem Fall. Ideologien, auch keine nachhaltigen, ganzheitlichen oder spirituellen, brauchen wir aber auch nicht, dafür Originalität! Inspiration vor Konzepten – sonst ist die Lebendigkeit in jedem Fall weg! Wollen wir ein vitales Unternehmen, dann ist Überraschung und Unüberschaubarkeit da. Immer. Da können wir nur mitgehen, lebendige Erfahrungen machen und dadurch Dinge bewegen. Dagegen ist Betriebswirtschaft nur Betriebswirtschaft und immer Vergangenheitsbewältigung, aus der allein kein neuer Erfolg wachsen kann. Das ist nur das Feld der harten – toten – Tatsachen von gestern. Erfolg hängt nur davon ab, ob jemand die Kunden mit seinen Produkten, seiner Vorgehensweise begeistern kann und will! Und zwar Tag für Tag! Das ist schon genug Herausforderung! Ob Sie die Balance zwischen Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten, Geldgebern gut gestalten können! Dafür brauchen Sie Interesse, Spirit und Wachheit. Härten muss keiner dafür in Kauf nehmen. So eine Sichtweise deutet entweder auf eine uninspirierte Haltung oder eine hausgemachte Anstrengung hin. Härten entstehen immer nur dann, wenn wir gegen das Leben selbst kämpfen und für uns selbst zu wenig Verantwortung übernehmen. Und den Kampf hat noch keiner gewonnen! Je anstrengender es für Sie ist, desto mehr befinden Sie sich auf einem nicht optimalen Weg. Sie können da immer wählen, welche Welt Sie schaffen wollen. Und natürlich wählen Sie immer wieder neu. Das ist das Feld der vielen Möglichkeiten. Hart wird es nur dann, wenn Sie geschlafen haben oder sich von VorUrteilen tragen ließen! Und dies kann schnell geschehen und jedem passieren! Auch hier die starken Gesetze des Auf und wieder Ab, des Zyklischen. Werner meinte zum Unterschied von Schlecker und dm, dass dieser in seiner Entwicklung stehen geblieben sei und dm sich immer wieder neu selbst in Frage stellte! Und wir sehen daran, dass die Betriebswirtschaft aber auch die vielen MBA-Ausbildungen allein zu nichts wirklich Lebendigem taugen, also da keine Hilfestellung geben kann beim Thema Führen. Führen kann eben nur am lebenden Objekt gelernt werden! Führungsenergie und Spirit sind andere Bereiche menschlichen Erlebens als Betriebswirtschaft und Management. Ganz fundamentale, menschliche und gefühlte. Sie existieren auch vor dem Denken und vor einem Konzept! Viele kreative Chefs werden davon oft genug selbst überrascht, was sich da Bahn bricht. Dies hat mit einem hervorbrechenden Bedürfnis von Menschen, eines Teams und einer Gesellschaft zu tun, etwas Neues zu bewegen! Und irgendein sensibler Mensch nimmt dies auf und realisiert es! Führung entsteht in Teams, in Gruppen zumeist spontan, wenn eine Situation dies erfordert und vergeht manchmal auch wieder. Das ist auch der Grund, weshalb viele Programme z.B. wie Performance Management und viele andere nicht ihre selbst gewählten Ziele erreichen. Ein Programm ist eben kein eigener Erfahrungsweg! Da fehlt der Spirit, der sich durch eigenständiges Handeln entfaltet! Haben Sie Sensibilität für Chancen, entsteht sich selbst organisierende Führung. Der persönliche Ausdruck von Vision und Sensitivität entwickelt Einfluss, das Konstruierte ist jedoch ein Kind des Verstandes und dementsprechend flach. Sensitivität kommt aus dem Unterbewussten, ist kaum kontrollierbar, jedoch enorm machtvoll. Viele Erfolgreiche wundern sich im Nachhinein, weshalb sie ihre eigenen Ziele überhaupt schafften. Sie können ihren eigenen Erfolg nicht nachvollziehen! Allein logisch gesehen, macht der selten Sinn! Visionen, Ideen, neue Ansätze werden gesehen und erlebt und dann konkret umgesetzt. Getragen von einer anhaltenden Begeisterung. Das schafft Kraft und Innovation! Und nicht die vielen Innovationsprogramme, die vorgeben, „etwas in Bewegung zu bringen!“ Auch „Systemisches, Ganzheitliches, Spirituelles und Nachhaltiges“ kommt vom Verstand. Das ist ein Bild der eigenen Erfahrung und hat allein wenig Kraft. Es ist der Unterschied zwischen: „Deutschland sucht den Superstar“ und den realen Durchbrüchen in der Öffentlichkeit von Kreativen oder Künstlern! Das eine ist erdacht, macht ziemlich viel Radau und fällt meist unspektakulär danach wieder zusammen. Das andere entfaltet sich, warum weiß keiner so richtig – nicht immer simpel und mit vielen „Zufällen“ – jedoch von selbst! Atmosphäre vor Show! Ist wie die Differenz im Geschmack zwischen einer originalen – mit viel Zucker! – Cola und einer Cola light! Das Original mag zwar ungesund sein, schmeckt aber einfach wie Cola, da kann Karl Lagerfeld noch so oft was anderes erzählen! Was benötigen Sie dafür? Mitarbeiter und Führungskräfte, die sich von Ideen anstecken lassen, diese selbständig weiter gestalten! Menschen, die andere einladen können, in Beziehung gehen, sich zur Verfügung stellen wollen, Mut machen können. Die begeistert sind von dem, was sie tun, ohne dass Sie immer wieder wie ein Geistlicher reden müssen! Einfach präsent sein! Das genügt. Das bedeutet, dass wir unsere Strategien, Menschen anzuziehen, immer wieder grundsätzlich überdenken müssen. Achten Sie mal darauf, wie Jürgen Klopp vor ganz wichtigen Spielen über Real Madrid, die Bayern, seine eigenen Spieler spricht! Alles mit viel Anerkennung und Respekt und Dankbarkeit, auch den Gegnern gegenüber und auch nach Niederlagen! Das ist keine Show, das ist ernst gemeint, weil er erkannt hat, dass echt sein zählt – zumindest bis jetzt. Aber auch unsere Einstellungen als Leitende können ganz schnell in eine manipulative Ecke kippen. Vor allem dann, wenn wir plötzlich Angst vor der eigenen Courage bekommen! Als Folge wird sich Anstrengung entfalten. Dies kommt immer noch aus dem alten Glauben heraus: Die Chefin führt! Jedoch: Sie lassen nur zu, dass sich alles von selbst führen kann! Es geht immer auch anders! Es geht immer mit weniger eigener Anstrengung! Es um Ihre Lebens- nicht nur um Arbeitszeit! Sie können mit Freude führen und Ihr Team wird es genießen! Das ist es! Viel Freude bei Ihren Experimenten! Ihr Bernd Hofmann Fotocredit: sassi  / pixelio.de

Kategorie: Führung | 21.11.2013

Spirit im Unternehmen… Teil 3

Lebenszyklen

Sicher, es gibt Lebenszyklen von Unternehmen. Sie steigen auf und manchmal gehen sie unter. Viele Marken heute waren einmal stolze Unternehmen: Kodak, AEG, Alfa Romeo und viele andere. Natürlich hat dies mit Spirit zu tun. Und es gibt Anzeichen dafür, dass sich etwas grundsätzlich verändert. Dass Spirit wichtiger wird.

Ich habe ein DAX Unternehmen als Kunden, das auf dem absteigenden Ast ist. Da ist eine gute Struktur, in Jahrzehnten optimiert – die allerdings auch die meiste Energie schluckt – jahrzehntelang hervorragende Gewinne, die zerfielen, weil eine zentrale Cash Cow unerwartet wegfiel, jedoch noch keine wirklich neue Perspektive entstand, weil man sich jahrzehntelang gegen neue Trends wehrte, diese gar versuchte zu verhindern. Das Ergebnis solcher Marktmanipulationen ist meistens, dass irgendwann der neue Trend keiner mehr ist, sondern Mainstream und man darauf nicht einfach schwimmt, wie viele Unternehmen, die sich daran ständig orientieren. Solche Unternehmen versagen dann im schlechtesten Fall, weil man sich nicht ausreichend vorbereitet hat.

Das genannte Unternehmen müsste sich neu erfinden. Alles, was es jedoch im Augenblick tut, ist nur mehr desselben. Die ersten Projekte sind da schon schief gelaufen. Es existiert eine richtig massive, kollektive Denkblockade. Lang anhaltender Erfolg ohne eigene, wache Leistung macht eben blind für neue Chancen. Neue vielversprechende Ansätze zu finden wird schwierig werden, weil der Markt sich ebenfalls gravierend verändert und im Unternehmen auch das Feeling für neue Chancen fehlt, weil man lange keine innovativen Haltungen gepflegt hat. Da fehlt nun die notwendige Vorlaufzeit! Und dass man sich früher – aus Überzeugung, auf dem richtigen Weg zu sein – den neuen technischen Entwicklungen nicht zuwandte.

Jeder Kunde kann mittlerweile zum Produzenten werden. Und viele gehen bereits diesen Weg. Das ist die größte Gefahr. Die Ideen, die jetzt im Unternehmen produziert werden, gleichen den bisherigen Ansätzen und sind nicht an den Erfordernissen des gewandelten Marktes, sondern eher an den finanziellen Möglichkeiten und bekannten Strategien des Unternehmens orientiert. Außerdem nutzt das Unternehmen ähnlich manipulative Elemente wie in früheren Zeiten. Man versucht es mit neuer leicht durchschaubarer Öffentlichkeitsarbeit.

Da wird vielleicht irgendwann eine neue Vision entstehen, denn das, was die grade machen, ist wenig zukunftsweisend. Viele im Unternehmen spüren es, aber die Zeit scheint noch nicht reif zu sein für eine grundsätzliche Veränderung in Bewusstsein und Stil. Die neue Kraft wird irgendwann und natürlich unerwartet aus dem Untergrund entstehen. Die Frage ist dann nur: Erkennen die Verantwortlichen die Situation und nutzen diese? Oder ist der Wettbewerb schneller? Wird dann der Name des Unternehmens bestenfalls als weitere Marke erscheinen oder wird es verschwinden? Oder tauchen ganz neue Lösungen auf?

So ungefähr wie bei der Compagnie de Suez. Die hatte nach über achtzig Jahren ihren Kanal verloren, der war plötzlich weg! Irgendwie war das auch Glück für einen Neubeginn, da diese Struktur die meiste Energie kanalisiert hatte! Der Wegfall der alten Struktur erzeugte einen Schock, aber das Unternehmen hatte jetzt die Chance, sich völlig neu zu orientieren. Nach der Entschädigung durch den Ägyptischen Staat war die Compagnie eine Bank. Erst nach ein paar Jahren Trauerarbeit und Bewältigung der Situation ist denen wieder etwas Neues eingefallen und es gab Investitionen in den Bereich Wasser und später Energie.

Je weniger formal eine Struktur ist, desto mehr freie Energie, die sich als Spirit zeigt, steckt drin. Strukturen, Hierarchien kanalisieren Energie in bestimmte Richtungen und können eine Organisation – solange sich nicht die Marktbedürfnisse gravierend verändern – effizienter machen, jedoch auch starrer. Natürlich gibt es Unternehmen wie Semco in Sao Paulo, Brasilien, die bewusst konstant auf eine Hierarchie verzichten mit gutem Erfolg. Viele junge, kleinere Unternehmen schaffen dies ebenfalls.

Spirit und systemisches Denken

Wir machen einfach das, was uns in den Kopf kommt!

(Gerrit Braun, Geschäftsführer der größten Modellanlage der Welt, dem Miniaturwunderland in Hamburg, auf die Frage zur Erfolgsstrategie des Wunderlands)

Spirit, belebende Atmosphäre ist fundamentaler als die üblichen systemischen und nachhaltigen Modelle. Eigentlich können wir beides nicht vergleichen. Was gibt es nicht alles für Modelle zur Führung! Unendlich viele. Und – haben diese eine große Veränderung gebracht, dadurch dass wir sie lehren? Modelle haben immer mit Denken und Erdenken zu tun. Es sind Kinder des Verstandes. Und da geht es logisch zu. Visionen werden durch einige Individuen erkannt und genutzt – das sind dann die Führenden. Solche Visionen – wenn sie den Kern neuer Marktbedürfnisse treffen – sind enorm prägend für Menschen, für diejenigen, die sie haben und für andere, die sich davon inspirieren lassen. Wenn sie den Mut haben, sich danach zu richten, dann kann ein Mensch in einem Unternehmen riesige Veränderungen bewirken. Solche Visionen brechen sich selbst aus deren Unterbewusstsein Bahn, unkontrolliert und ziehen andere Menschen mit. Es gibt Visionäre, die vor der Vision nie auf die Idee gekommen wären, so einen Weg zu gehen! Manchmal sind sie von ihrem eigenen Verhalten überrascht! Visionen sind grundlegender als Überlegungen und deshalb natürlich nicht für Erbsenzähler, aber auch nicht für die systemischen und nachhaltigen Denker erreichbar. Aufregend Neues bricht von selbst hervor, manchmal sogar dann, wenn Sie es nicht wollen, oder wenn ein Raum dafür geschaffen wird, wie Harrison Owen sagt.

Führung und klassische Managementidee

Führung, ob sie von Einzelnen oder Gruppen ausgeht, ist immer primär und bildet durch die gesetzten Schwerpunkte natürlich Strukturen. Und sie tritt besonders dann spontan auf, wenn ein kreativer Raum geschaffen wird, in dem dies möglich wird. Es entstehen Teams, Menschen, die sich zur Verfügung stellen. Bei einer selbstorganisierten Führung spontan. Führung taucht dann punktuell durch einzelne Individuen auf und vergeht manchmal wieder, wenn sie nicht mehr benötigt wird. Früher, in den Tagen der industriellen Revolution oder bis zu Taylor und Henry Ford, mag Management wichtig gewesen sein. Heute, in sehr volatilen Märkten, subtilen schnellen Veränderungen von Bedürfnissen, auf die Unternehmen reagieren oder besser agieren sollten, mit hochintelligenten und engagierten Mitarbeitern, werden feste Strukturen immer hinderlicher und behindern Produktivität. Dies geht andererseits auf Kosten der Überschaubarkeit, nicht jedoch der Steuerbarkeit.

Je flexibler Bedürfnisse werden, desto weniger entscheidend sind Strukturen oder deren Überschaubarkeit! Desto wichtiger ist das Kennen oder besser Vorausahnen von Kundenbedürfnissen! Wahrscheinlich sind deshalb spontane Strukturen in Zukunft in eingespielten Teams mit hohen intuitiven Fähigkeiten entscheidend. So sehe ich die klassische Managementidee im Niedergang zugunsten einer eher informalen, gewählten oder spontan bevorzugten, gefühlten Vor-Ort-Führung. Es wird etwas Neues entstehen, Führung als Gruppenphänomen und basarähnliche Strukturen, die sich ständig verändern und sich den Erfordernissen des Marktes dadurch schnell anpassen können. Erfolgreich, aber: Überschaubar ist das alles nicht mehr. Wozu auch, wenn es funktioniert! Und noch etwas: Führung wird zu einem Weg der Bewusstheit der Beteiligten! In vielen innovativen Unternehmen wird damit bereits experimentiert.

Was geschieht mit den „alten Organisationen“? Sie werden sich verändern oder sterben. Achten Sie auf folgende Tatsachen und Entwicklungen, die den Abstieg beschleunigen:

  1. Etablierte, zementierte Hierarchien, zähe Seilschaften, klassische Führungsidee, schrumpfende Märkte ohne lebendige neue Perspektiven
  2. Zentralismus, manipulierende Markteingriffe, schlechte Presse und Imageverlust
  3. Hierarchisierte Einstellungsverfahren, unangemessenes Elitedenken, Schieflagen in der Gehaltspolitik zugunsten der Alteingesessenen
  4. Starkes, dominantes Controlling und perfektionistische Planung, vorwiegend kommunizierte Gewinnorientierung, blosse Lippenbekenntnisse zur Mitarbeiterführung
  5. Enormer, langjähriger Erfolg, der nicht so sehr auf der eigenen Leistung, sondern auf Privilegien oder Monopolstellung beruhte.

Mehr zum Spirit lesen Sie demnächst im vierten und letzten Teil.
Ihr Bernd Hofmann

Fotocredit: sassi  / pixelio.de

Kategorie: Führung | 07.11.2013

Spirit im Unternehmen… Teil 2

Atmosphäre im Unternehmen: Spirit braucht für das Thema Sensitive und einen entsprechenden Dialog

Der ganze Erfolg in exzellenten Unternehmen kommt schließlich von Menschen, die genau das anstreben und nicht von Systemen. (Tom Peters)
Spirit braucht einen oder mehrere Träger, die solche Energie bereitwillig zulassen, sie wirken lassen können. Meist sind dies gute Zuhörer, engagierte, inspirierte Führungskräfte. Und hier ist der große Trugschluss aller Motivierer und Manipulierer: So etwas kann nicht künstlich erzeugt werden. Das kann nicht durch irgendwelche Systeme – mag man sie nachhaltig, systemisch, ganzheitlich oder gar spirituell nennen – erledigt werden. Es benötigt den richtigen Zeitpunkt und einen oder wenige Sensitive, die dies genau spüren, sich für das Thema interessieren und die natürlich genügend eigene Begeisterung mitbringen. Hier muss auch konsequentes Management versagen. So erwogen beispielsweise Steve Jobs und sein Team mehrere Jahre lang immer wieder, wann denn der richtige Zeitpunkt für das Erscheinen des iPad wäre, bevor diese ihn zur Produktion freigaben. Hier sind der richtige Mensch, die kritische Masse und der richtige Zeitpunkt notwendig. Und das findet sich natürlich „zufällig.“ Wen sein Thema brennend interessiert, wer davon fasziniert ist, der entspricht einem Empfänger, der das Produkt im richtigen Moment freigibt. Dies sieht von außen gelegentlich wie Willkür aus, ist es jedoch nicht. Das alles entsteht spontan und intuitiv von selbst. Und es braucht einen Dialog im Leitungsteam. Einen Dialog, der durch die Art und Weise wie er geführt wird, kreative Sprünge erst möglich macht. Aber: Das ist nicht etwas, was herbeimanipuliert werden kann, die vielen Zufälle und seltsamen Ereignisse in diesem Zusammenhang zeigen, dass wirkliche Lösungen ganz und gar unwägbar entstehen, dass wir jedoch die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen können. So hatte ich es auch in meinem Buch „Führen aus der Hängematte: Mit Leichtigkeit zu Leistung und Erfolg durch eine entspannte Führungsatmosphäre“ beschrieben. Wir können den Spirit einladen und unter bestimmten Umständen wirkt er dann auch. Wir nutzen beispielsweise dafür den generativen Dialog, eine einfache aber wirkungsvolle Methode der Teamarbeit und Ideenfindung, von Andreas Zeuch vorgeschlagen. Wichtig scheint auch zu sein, dass erfolgreiche Unternehmen keine fertigen „Systeme“ eingesetzt haben, sondern sich immer die Zeit nahmen, diese selbst zu entwickeln. Auch schon aus der Einsicht heraus, dass vorhandene Herangehensweisen meistens nicht passen. Es gibt eben keinen Spirit aus der Dose, sondern nur einen original entwickelten. Und hier ist auch die Chance für jede Führungskraft, auf welcher Ebene sie auch tätig ist: Sie haben es selbst in der Hand, was da für ein Geist im Team herrscht und niemand anderer!

Wie können wir den Raum für Selbstorganisation und Selbstführung offen halten?

Selbstorganisation und Selbstführung sind wichtige Voraussetzungen und Anzeichen für Spirit. Damit diese jedoch überhaupt wirken können, gibt es ganz persönliche Voraussetzungen für die Chefs. Dies sind einige permanente Fragen an die Führenden:
  • Wie können Chefs es aushalten, Mitarbeitern den Raum für Eigenaktivität zu öffnen und diesen offen halten?
  • Wie können Sie es aushalten, Mitarbeitern soviel Freiheit zu geben, dass diese aus sich selbst heraus agieren können?
  • Wie weit können Sie eigenes Nichtstun, Beobachten ertragen, um anderen die Kreativität zu ermöglichen? Wie viel Geduld zeigen Sie da?
  • Wie stark können Sie sich Ihren eigenen Ängsten stellen, die Kontrolle zu verlieren? Dies ist eher eine persönliche Frage. Sie bezieht sich auf Ihre gelebten Werte und Ihre Sicht des Bereiches, den Sie gestalten wollen.
  • Achten Sie darauf, dass Mitarbeiter Ihr Team ohne Gesichtsverlust verlassen können, falls sie merken sollten, dass ihre Wege woandershin führen?
  • Sorgen Sie auch dafür, dass alle Ihre direkten Mitarbeiter auch wirklich am richtigen Platz sind? Und geben Sie ihnen die angemessenen Chancen?
  • Wie viel eigenes Selbstvertrauen haben Sie, den Entwicklungsprozess intuitiv führen zu können?
  • Und wie können Sie Kontrolle der Ergebnisse zur Selbstkontrolle werden lassen?
Sobald wir etwas mit Begeisterung nutzen und es mit persönlichen Gefühlen verbinden, erleben wir Lernfortschritte. Wir können Gestalter und Entdecker sein. Neugierige Menschen einladen und ihnen Gelegenheiten geben zu zeigen, was sie können. Das Klima bestimmt, welche Erfahrungsräume es gibt. Achtung: Ein Geist, eine Atmosphäre, die den Menschen hilft, das zu tun, kann sich natürlich allmählich verflüchtigen, wenn sie nicht gepflegt wird und beispielsweise zu einem Verwaltungsgeist wird. Kennzeichnend dafür: Da geht es dann vorwiegend um bestimmte Vorgehensweisen, Strategien, Regeln, Policies und Kommunikationsvorschriften. Diese Entwicklung ist immer fatal, weil sie den Menschen selbst aus dem Zentrum rückt und dort – tote! – Systeme installiert. Die stille Botschaft daraus in vielen Unternehmen ist doch: Es kommt auf mich nicht an! Das System ist wichtiger als meine Leistung! Wenn wir so mit festen Vorstellungen zielfixiert unterwegs sind, dann ist im Gehirn nicht viel los – meint Prof. Gerald Hüther. Wir vernageln uns nur immer mehr und nehmen uns selbst die Energie!

Werden und Vergehen: Entwicklung von Spirit im Unternehmen

Es ist immer der richtige Zeitpunkt. Es ist immer der richtige Ort. Es sind immer die richtigen Leute. Alles, was passiert, ist eine Chance für die Weiterentwicklung. Wenn es vorbei ist, ist es vorbei. (Harrison Owens Grundsätze zum offenen Raum)
Hier geht es um das Annehmen der aktuellen Situation, das Nicht–Verdrängen–Wollen der Gegenwart. Wenn wir so mit einer Situation und deren Möglichkeiten umgehen können – gut. Wenn nicht, dann nehmen wir uns die Chance für Neues.

Und der wichtigste Wert für Sie selbst:

Gestatten Sie es sich, Sie selbst und anderen, anders zu sein. Unternehmen, Teams die dauerhaft erfolgreich sein wollen, haben und ziehen inspirierte Menschen an. Dies liegt zum größten Teil an der Atmosphäre und dafür sind Sie als direkter Vorgesetzter und die Teammitglieder verantwortlich. Diese bringen immer wieder Neuerungen, also neue Teilvisionen, hervor, um das Überleben zu sichern – wenn alles gut läuft. Aber auch diese werden immer von Initiatoren getragen, deren persönliches Bedürfnis genau dies ist. Bei jungen, im Entstehen befindlichen Unternehmen ist beispielsweise eine formale Hierarchie kaum notwendig. Es gibt jedoch Entwicklungsphasen, bei denen sich Führungsstrukturen herausbilden. Je mehr Mitarbeiter dadurch ermächtigt werden, desto besser, desto mehr freie Energie ist da. Begrenzt wird Spirit nicht durch schwierigere Alltagsfragen, sondern eher durch als begrenzend empfundene Regeln, die meist aus Angst vor Kontrollverlust der Führung aufgestellt wurden. So wird ein Problem erzeugt, genau dadurch, dass wir es vermeiden wollen! Verrückt, oder? Die Vorbereitung eines solchen Veränderungsprozesses ist schon selbst eine spannende Angelegenheit. Schon die Wortwahl bei einem Gespräch über Spirit mit Verantwortlichen zeigt, was da los ist, wie die Atmosphäre von der Führung gesehen wird oder was fehlt. Worte zeigen das Weltbild der Beteiligten. Da kommen Erklärungen: Sei es, weil ein Unternehmen „zu groß“ wird, oder sehr großen Erfolg hat. Manchmal werden Führungskräfte von Veränderungen „überrascht“, manchmal wird die Angst größer, wie dies zu steuern ist. Wie „Komplexität beherrschbar ist.“ Es gibt „schwierigere Märkte.“ Deshalb entstehen mehr Strukturen. Das gibt vordergründig Sicherheit, kann jedoch als Anzeichen von mangelndem Spirit und natürlich Vertrauen von den Mitarbeitern gewertet werden. Mehr Kontrolle und automatisch weniger Freiräume zum Gestalten. Und „sicherer“ gegen Misserfolge ist es auch nicht. Das sind die Illusionen der Strukturierer! Häufig ist das Anzeichen dafür natürlich die Beschwerde über Mitarbeiter, die nicht „motiviert“ sind. Aber: Es muss nicht immer zu einem schlechten Ergebnis führen, solche Strukturen einzuführen. Strukturen kanalisieren Atmosphäre, die sich durch außergewöhnliche Leistungen zeigen. Und wenn die Struktur optimal auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtet ist, was kann da schiefgehen? Auch hier gibt es positive Beispiele. Wie konnte Apple das teuerste Unternehmen der Welt werden? (Inzwischen mal wieder nicht mehr!) Die Führung bei Apple oder ein deutsches Beispiel – dm Markt – schafft es da immer wieder, sich selbst zu häuten, andere große Unternehmen eben nicht, denken wir an Schlecker! Woran liegt das? Vielleicht daran, dass die ursprüngliche Sicht des Unternehmens als Vision immer wieder wirklich attraktive neue Teilvisionen realisiert? Also daran, dass die Ausgangsvision wirklich außergewöhnlich war und die Verantwortlichen diese Kräfte immer wieder neu beleben konnten, natürlich weil es ihr ganz persönliches Anliegen war? Einer der wichtigsten Punkte bei den Gesprächen ist die Angst vor Kontrollverlust. Eigentlich völlig unnötig, jedoch kommt dieses Thema immer wieder auf. So als ob wir als Führungskräfte wirklich die Kontrolle jemals gehabt hätten! Dies ist ein ganz entscheidender Punkt: Das Entstehen einer besonderen Atmosphäre schafft ja gerade die Energie um das ganze Team voranzureißen. Und Ihr Job ist dabei am Spielfeldrand. Wie Pep Guardiola. Zusehen. Aufmerksam. Nur ab und zu mal eine kleine direkte Intervention! Das ist alles! Für Manchen das Schwerste überhaupt! Ich freue mich mit Ihnen auf den dritten Teil!Ihr Bernd Hofmann  Fotocredit: sassi  / pixelio.de

Kategorie: Führung | 24.10.2013

Spirit im Unternehmen… Teil 1

…oder was Sie für das Entstehen einer förderlichen Führungsatmosphäre tun können.

Inspirieren, aber wie?

Uns begeistern heute Chefs, die mit Engagement, Lockerheit, Respekt und Freundlichkeit Erstaunliches zustande bringen. Wie beispielsweise im Fußball. Jürgen Klopp, der Trainer von Borussia Dortmund oder vor einigen Jahren Ralf Rangnick mit 1899 Hoffenheim und seiner damals noch wenig bekannten, jedoch hoch motivierten Mannschaft oder auch der junge Stil unserer Nationalmannschaft. Eine Atmosphäre geprägt von Leichtigkeit, Leistung und Lockerheit, durch die Spieler, Menschen, Mitarbeiter über sich hinauswachsen. Sie sagen jetzt vielleicht, dies hat alles nichts mit Unternehmen zu tun und ich muss Ihnen Recht geben. In den meisten Unternehmen finden Sie so etwas nicht. Aber auch dies ist eine Tatsache: Diese Firmen sind nicht immer die besten. Wie können Sie solche Leichtigkeit in Ihrem Bereich entstehen lassen? Eigentlich ganz einfach, wenn Sie wissen, wie sich diese entfaltet. Damit wir so etwas erreichen, müssen wir uns von einigen gutgemeinten, jedoch nicht so guten Denkansätzen verabschieden. Dies geschieht zunächst durch eine persönliche Erfahrung von Leichtigkeit. Sie ist einfach erfahrbar und damit begreifbar, wenn wir ein paar Dinge in der täglichen Führung anders anpacken. Es ist eine Erfahrung, die Sie immer wieder in Ihrem Leben machen können, dass Wichtiges Ihnen zufällt, ohne dass Sie sich anstrengen müssen. Viele Erfolgreiche meinen dann, dass sie solchen Erfolg hatten, hätten sie niemals für möglich gehalten. Die meinen natürlich damit, wenn man von der üblichen Weltsicht ausgeht. Die Rahmenbedingungen für Sie: Dazu gehört eine positive Sicht der Dinge, die das Leben als sich entfaltendes Abenteuer, als fortwährende Entdeckung und nicht nur als eine Summe laufend zu lösender Probleme sieht. Sie müssen sich dabei nicht verdrehen oder mehr tun, Sie kommen eher zu sich selbst und die Dinge organisieren sich fast von alleine. Dies ist zunächst eine persönliche Erfahrung von mir selbst und vielen Chefs, mit denen ich arbeitete. Und die gilt es zu kultivieren. Damit können Sie Ihr eigenes Leben und Ihren Job zu einem Fest machen, bei dem es vielleicht turbulent zugehen mag, jedoch mit Leichtigkeit. Sie können diese Erfahrungen auch zur Führung nutzen. Immer stressfreiere und erfolgreiche Führung ist möglich, sie ist inzwischen auch erprobt und schafft eine gute und sportliche Atmosphäre in Ihrem Team, welche erstaunliche Leistungen fast von selbst erzeugt. Die Erfahrung dieser neuen Leichtigkeit ist sogar so deutlich, dass Sie nicht einmal verstehen müssen, warum dies in der Führung funktioniert. Die Erklärung ist dieses Mal schwieriger als die Umsetzung. Auch gut, oder? Lassen Sie sich führen und zu dieser Leichtigkeit verführen. Bewegen Sie sich damit hin zu einem Führungsmodell, welches sich vom strengen, taktgeprägten, jedoch langweiligen und lähmenden Konzept der Industriegesellschaft zu einem Führungsmodell bewegt, wie wir es heute eher im Sport antreffen, jedoch auch zunehmend in Unternehmen finden: ein Führungsmodell geprägt von Bewusstheit, Selbstorganisation und Authentizität. Wie entsteht eigentlich Energie, eine lebendige Atmosphäre in Teams, in Unternehmen? Was können wir als Führende tun oder auch lassen? Damit hatte ich mich in meinem Buch „Führen aus der Hängematte: Mit Leichtigkeit zu Leistung und Erfolg durch eine entspannte Führungsatmosphäre“ beschäftigt. Die Erfolge, die ich in den zwanzig Jahren zuvor teilweise erlebte, sind spektakulär, die Vorgehensweisen dazu jedoch nicht. Nicht, dass Sie jetzt glauben, dass ich mir diese Erfolge selbst anrechnen würde. Nein. Ich habe diese Effekte erst selbst allmählich entdeckt, natürlich durch „Zufall!“ Der Unglaube bei solchen Ereignissen ist natürlich groß. Scheinen sie doch aus dem „Nichts“ zu entstehen. Emergenz nennen das die Wissenschaftler. Das ist ein kompliziertes Wort für besondere Zufälle und völlig neue Qualitäten. Diese Benennung allein macht das Problem auch nicht leichter. Dabei sind die Voraussetzungen dieser Erfolge eher simpel und einfach. Wenn da nicht einige Haltungen von Leitenden wären, die es ihnen schwer machen, produktiv damit umzugehen! Spannend könnte die Frage sein, warum nicht mehr Unternehmen sich diese Erfahrungen zu nutze machen. Ich nehme die Antwort da mal vorweg: Viele Chefs denken zu kompliziert und verhindern damit genau den Effekt selbst. Sie verhindern dadurch ihren möglichen Erfolg. Überhaupt hat die Lösung weniger mit Denken als mit Fühlen und Erspüren zu tun! Ich werde Ihnen in meinen nächsten drei Beiträgen diese Zusammenhänge etwas nahe bringen. Sie machen es sich und Ihren Mitarbeitern dann leicht, eine gelungene Führungsatmosphäre entstehen zu lassen! Und gegen Erfolge haben Sie doch nichts – oder? Aber – ich warne auch mal vor – einige dieser Gedanken und Erfahrungen sind völlig anders als das, was Sie landauf landab zu Thema Führung hören mögen. Mir geht es hier weniger um die neuen Methoden des offenen Raumes – Open Space, World Café etc. – die den Dialog intensivieren und auch Faszination und Begeisterung in Gruppen entfalten, die Erfolge mit diesen Methoden sind allein schon manchmal spektakulär, sondern um die persönlichen Voraussetzungen für Führungskräfte selbst. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass wir mit diesen Methoden Erstaunliches erreichen können. Aber was nützt dies, wenn Sie als Chef wichtige Voraussetzungen dafür nicht mitbringen? Gar mit den wunderbaren Effekten großer Gruppenmethoden und ihren erstaunlichen Ergebnissen nicht klar kommen? Darum soll es hier gehen. Die Auswirkungen auf Team und Unternehmen werden wir hier nur in Ansätzen aufzeigen.

Was hält ein solches Ambiente am Leben?

Wieso bleibt ein solch förderliches Ambiente in manchen Unternehmen lebendig, wird stärker oder vergeht? Was bedeutet dies für den Umgang miteinander, welche Vorgehensweisen sind sinnvoll? Was hat dies mit formalen oder informalen Strukturen zu tun? Auf welche Weise können wir überhaupt gestaltend eingreifen, um eine inspirierende Führungsatmosphäre zu entwickeln? Fragen, die mich immer wieder in meinem Arbeitsleben beschäftigt haben. Manchmal ist es schwer, für ein Phänomen den richtigen Namen zu finden. Für diese inspirierende bewegende Energie, die in Menschen oder Teams zu spüren ist und diese über ihre eigenen Grenzen zu besonderen Erfolgen hinausführt. Englisch ist eine Sprache, die Begriffe weiter – und auch ungenauer – fasst als das Deutsche. Im amerikanischen Englisch handelt es sich um „Spirit“ wie etwa Charles Lindberghs Flugzeug: „Spirit of St. Louis“ hieß. Mit diesem Namen wollte er sich bei seinen Geldgebern – Geschäftsleuten aus St. Louis – für deren Engagement und Unternehmungsgeist bedanken. „Spirit“ ist für Amerikaner etwas sehr Handfestes, Erlebbares. Im Deutschen ist dies nicht so einfach und so habe ich mich in meinem Buch für das Wort Atmosphäre entschieden. Das Offenhalten des inneren Raumes Spirit kann nur geweckt und generiert werden, wenn ein Mensch von einer Vision, einem angestrebten Zustand oder einer Mission, einer besonderen Aufgabe deutlich beflügelt ist. Wenn Vision und Mission immer wieder in ihrer Qualität, in den Werten, jeden Tag artikuliert, gelebt werden und für Mitarbeiter und Kunden erkennbar sind, jedoch gleichzeitig alles ziemlich freiwillig läuft. Also ein Gestaltungsraum offengehalten wird, in dem Kommunikation frei und unkompliziert fließt. Auch in besonders schwierigen Bedingungen, in Krisen entwickeln Teams dann geradezu unglaubliche Kreativität. Eines bremst jedoch gewaltig: wenn wir die Phasen der Entfaltung selbst eng kontrollieren wollen, wie dies ja im Prozessmanagement teilweise geschieht! Dies stört oder zerstört Spirit ganz schnell. Hier liegt ein Problem zum Beispiel in den extrem kurzen Kontrollzeiten, die in vielen Verkaufs- und Vertriebsorganisationen üblich sind. Hier das richtige Maß zu finden, ist manchmal nicht einfach. Diese Energie hat ihre eigenen Gesetze. Wir können sie nicht beherrschen, dies ist auch nicht nötig. Wir können uns einlassen, zulassen und dadurch die Energie in notwendige Bereiche lenken. Diese Kräfte, die aus dem Unbewussten, also von Innen kommen, hervorbrechen, haben eine Eigendynamik. Insofern ist das Entstehen einer inspirierenden Atmosphäre ein Kind des offenen Raumes, wie Harrison Owen dies nennt, die vom Einzelnen spürbare Gestaltungsfreiheit, die von Führungskräften offen gelassen und gehalten werden muss, damit sie sich überhaupt entfalten kann. Oder wir könnten auch witzigerweise sagen, dass wir die Kräfte dadurch entfesseln, dass wir in einem definierten Raum innerlich ganz loslassen, die Kontrolle abgeben. Das nenne ich den inneren offenen Raum. Nach meiner Erfahrung: Für manche eine kaum zu bewältigende Aufgabe. Es scheint das Schwerste überhaupt zu sein und nur wenige schaffen dies. Eine wichtige Voraussetzung, die ich immer wieder antreffe: Es scheint für viele Engagierte wirklich sehr schwer zu sein, loszulassen, sich zurückzunehmen, nichts zu tun, zuzuschauen. Es ist eben nicht Teil des Programms unserer Erziehung, dass wir gelegentlich durch Nichtstun mehr erreichen als durch irgendwelche Aktivitäten. Denn hier geht es um ein fundamentales Loslassen können, also um eine gewisse Angstfreiheit. Es ist verrückt, jedoch hier gilt für viele Chefs ein ganz anderer Grundsatz: Warum einfach, wenn’s auch umständlich geht! Wir lernen offenbar alles Mögliche, nur nicht loszulassen – wie fatal! Nichtstun bedeutet einfach, die Aufmerksamkeit auf dem Geschehen zu haben, ohne einzugreifen. Schwierig für diejenigen, die sich immer anstrengten, um etwas als Chef zu erreichen!
  1. Spirit braucht Suspension, die Fähigkeit, etwas in der Schwebe, im Dialog halten zu können, die stille innere Mitte, damit gegenseitiges Verstehen wachsen und ein Projekt sich gut entwickeln kann. Wir geben dadurch einem Gegenüber Raum und dieser fühlt die kreative Spannung selbst und reagiert darauf.
  2. Spirit braucht – Stille. Innere Stille und Sicherheit der Beteiligten, eine ruhige Konzentration ohne Krampf, Überdrehtheit. Aber auch ohne Verschwörungsgetue und Wichtigtuerei. Und vor allem: Ohne das Bedürfnis, alles voraus berechnen zu wollen – weil das sowieso kaum möglich ist, auch nicht mit den besten Analysen, und ohne den Terror eines inneren Panikorchesters, des Gedankenchaos und Future Think, welches originäre Ansätze in einem Sumpf von ständig neuen Bedenken erstickt. Also vor allem eine Entspanntheit der Führenden selbst. Dies ist das A und O. Daran führt nichts vorbei! Sind Sie das? Oder – was tun Sie für diese Entspanntheit? Selbstgewahrseinsübungen helfen hier, um den inneren Dialog zu verringern und in die Rolle des inneren Beobachters zu kommen und dies zu kultivieren.
  3. Durch ruhiges Beobachten der eigenen Gedanken, Empfindungen und des Geschehens um uns, ohne einzugreifen, geschieht eine Beruhigung der Gedanken, des Argumentierens mit uns selbst, des ewigen sich Beurteilens. Dadurch spüren wir mehr und mehr, dass die Dinge sich von selbst entfalten, auch ohne unser Zutun. Es ist eher so, als ob der Verstand sich alles zu eigen macht, was von selbst geschieht.
  4. Pflegen Sie Ihre eigene Vision? Haben Sie das Vertrauen dafür, Ihre angestrebten Ziele erreichen zu können?
Bis zum zweiten Teil Ihr Bernd Hofmann  Fotocredit: sassi  / pixelio.de