Sonstiges

Outdoortraining zur Teamentwicklung auf Abwegen

24.11.2014

…oder: „Immer locker bleiben“

Pleiten, Pech und Pannen beim Outdoor-Training – eine sehr spannende Geschichte mit glücklicherweise gutem Ausgang.
Situation:
  • Anfrage zu einem Outdoortraining für die gesamte Führungsmannschaft.
  • Neue Personalentwicklerin auf Kundenseite, die gegen die Bedenken aus den eigenen Reihen eine neue Trainingsfirma ausprobieren will.
  • Kunde hatte bis dato noch nie was gebucht.
  • Insgesamt 18 Personen inkl. aller drei Geschäftsführer und der PE-Tante.
  • Keiner der Stammtrainer konnte das Training machen
  • Ich selbst hatte bis dato immer nur als Co-Trainer agiert.
  • Also musste ich ran mit meiner erfahrenen Trainerkollegin „Christiane“, die ich allerdings noch nicht kannte.
  • Hauptverantwortung + Vorbereitung lag an mir.
Ziele
  • Projektkompetenzen sollten verbessert werden
  • Insgesamt sollen sich die TN stärker als Team wahrnehmen und agieren
  • Weiterentwickeln für Führungs- und Teamkompetenzen für den eigenen Führungsalltag
Zeiten (geplant)
  • 1,5 Tag Training,
  • 1. Tag 20:00 bis ca. 22:00 Uhr
  • 2. Tag 08:00 – 17:00 Uhr
Zeiten (Realität)
  • 1. Tag 20:30 – 01:00
  • 2. Tag 08:30 – 17:00
Geplanter Ablauf 1. Abend Wolfspfad: mehr zur Entspannung und Einstimmung Leuchtstäbe im schon dunklen Wald finden, die einen Weg markieren. Es ist immer nur der jeweils nächste Leuchtstab zu sehen. An einer Stelle (die vorher angekündigt war) müssen die Teilnehmer sogar erst ca. 50 Meter in die Dunkelheit laufen, bis sie das nächste Licht sehen können. Den Teilnehmern war es freigestellt, alleine oder zu zweit zu gehen. (Der Wald an sich war durch viele verschiedene Forstwege recht unübersichtlich. Die Wege waren in einem guten Zustand. Um das gesamte Gelände gingen Landstraßen, keine steilen Abhänge oder Löcher, also keine objektiven Gefahrenquellen.) Am Ende des Pfades hatten wir eine „Wolfshöhle“ mit Fackeln und was zum Trinken vorbereitet, um hier den Abend gemütlich ausklingen zu lassen und den 2. Tag zu besprechen. Doch dazu sollte es nicht kommen… 2. Tag Outdoorprojekt: Das eigentliche Outdoortraining in zwei Gruppen, die miteinander kooperieren mussten, um die verschiedenen gestellten Aufgaben im Gelände erfolgreich bewältigen zu können.

Tatsächlicher Ablauf des Outdoortrainings

Der Abend mit dem Wolfspfad lief wie geplant bis ca. 21:00 Uhr. Ab diesem Zeitpunkt stellten wir fest, dass drei der insgesamt 18 Teilnehmer nicht an der Endstation „Wolfshöhle“ angekommen sind. Zu diesem Zeitpunkt machten wir uns seitens der Trainer noch keine Gedanken, da die Teilnehmer ziemlich gut drauf waren und wir davon ausgingen, dass die drei sich entweder einen Spaß erlaubten oder einfach langsamer als die anderen gegangen sind. Auch gab es unterhalb der Wolfshöhle verdächtiges Geknacke im Gebüsch, das sofort aufhörte, als wir mit den Taschenlampen hinleuchteten. Nach ca. 15 Minuten forschten wir nach, wer genau fehlte und wann die drei losgelaufen waren. Es stellte sich heraus, dass sie zu verschiedenen Zeitpunkten losgingen und einer der drei alleine ging. Daraufhin machte sich erste Besorgnis bei den Teilnehmern breit. Vor allem bei den drei GF´s. Zwei der GF´s rannten ca. 5 Minuten später mit einer brennenden Fackel in den trockenen Wald. Nicht ohne vorher wüste Szenarien wie z.B. „allein im dunklen Wald verlaufen“ bis hin zu „in eine Schlucht gestürzt und das Bein gebrochen“ herausbeschwörend. Das irritiere uns Trainer doch ein wenig, da wir uns im Taunus und nicht Norwegen befanden. In dem Zusammenhang fiel uns dann noch eine Bemerkung der GF´s bei der Vorstellungsrunde ein, dass es ruhig etwas Action und Aufregung geben darf. Nachdem wir 2 und 2 zusammengezählt hatten, dämmerte Christiane und mir der Verdacht, dass die drei Teilnehmer aus einem bestimmten Grund noch fehlten. Urplötzlich tauchte einer der drei aus dem Gebüsch auf. Erleichtert schaute er in unsere Taschenlampen und Fackeln. „Ich habe mich total verlaufen und dann nicht mehr zurückgefunden“ rief er. Auf die Frage, ob er schon mal versuchte hatte, unterhalb der Wolfhöhle zu uns durchzukommen, schaute er uns nur fragend an. Auch die anderen zwei, die noch fehlten, hatte er nicht gesehen. Die GF´s waren immer noch ziemlich aufgeregt und steckten so langsam die anderen Teilnehmer an. Vorschläge die Polizei und die Bundeswehr einzuschalten, die dann mit Hubschraubern und Infrarotgeräten das Gelände absuchen könnte, blockten wir ab. Andere Kollegen der zwei äußerten den Verdacht, dass es den zwei ähnlich sehen würde, sich einen Scherz zu erlauben und bereits in der Hotelbar zu sitzen. Das verstärkte Christianes und meinen Anfangsverdacht. Vor allem weil die GF´s dagegen argumentierten. Die anwesende Personalentwicklerin versuchte ebenfalls, die Wogen zu glätten. Da keiner so wirklich was wusste, bliesen wir zum Abmarsch ins Hotel, um dort nach den beiden zu suchen. Leider waren die beiden weder in der Hotelbar noch in der Sauna oder auf ihrem Zimmer. Auch das Hotel hatte keine Nachricht. Also trafen wir uns mit allen Teilnehmern zur „Lagebesprechung“ in unserem Seminarraum. Die Stimmung war insgesamt ziemlich locker. Die Teilnehmer unterstellten Christiane und mir, dass wir die ganze Geschichte konstruiert hätten. Unsere Beteuerung, dass dem nicht so ist, wurde nicht geglaubt. Na ca. 15 Minuten, in denen nicht wirklich ein konstruktiver Beitrag zur Auffindung der Vermissten gemacht wurde (außer Polizei und Bundeswehr), nahm mich einer der GF´s nach draußen. Sehr eindringlich fragte er mich, ob wir etwas über den Verbleib der Vermissten wüssten und ob die momentane Situation Teil des Trainings ist. Das verneinte ich natürlich ausdrücklich und stellte die gleiche Frage meinem Auftraggeber, der diese ebenso verneinte und feststellte, dass die Situation somit ernster sei als er bisher angenommen habe. Ich war dennoch immer noch der Meinung, dass die GF´s etwas mit der ganzen Geschichte zu tun haben. Christiane ebenso. Die GF´s forderten nach kurzer Absprache untereinander die anderen Teilnehmer auf, Vorschläge zur Suche der Vermissten zu machen. Das unterstützten wir natürlich und boten Karten von der Umgebung, sowie Funkgeräte und Kompanten an, die wir für den morgigen Projekttag schon vorbereitet hatten. Das bestätigte wiederrum einige der TN in ihrer Hypothese, dass das alles nur gespielt war. Nach weiteren Beteuerungen von unserer Seite und mit tatkräftiger Unterstützung der GF´s konnten wir diese Teilnehmer mundtot machen.
Zwischenstand: Christiane und ich glauben, die GF´s oder die Vermissten haben die Situation konsstruiert, darüber hinaus könnten sich die Teilnehmer wirklich verlaufen haben, was wir allerdings als recht unwahrscheinlich einstuften Die GF´s pendeln zwischen wir haben was gefaket und die Teilnehmer sind wirklich verschollen. Die restlichen Teilnehmer sind sich ganz sicher, dass entweder wir mit den GF´s oder den Vermissten sie gerade total verladen haben und es Teil des Teamtrainings ist.
Nach einer kurzen und sehr zielorientierten Planungsphase der Teilnehmer ist das Gelände um das Hotel in 7 verschiedene Bereiche aufgeteilt. Es gibt 7 Gruppen á 2 Personen (Christiane und mich mitgezählt) und eine „Zentrale“, die im Seminarraum installiert wird. Alle haben alle HandyNr. und die Kommunikationswege sind genau definiert. Christanes und mein erster Weg ist die Wolfhöhle, um dort das Material abzubauen und um Christianes Handy zu holen. Ca. 20 Minuten nachdem wir den Seminarraum verlassen haben, kriegen wir die Nachricht von der „Zentrale“, dass die beiden Vermissten gefunden und wohlauf sind. Christiane grinst mich an und sagt: „Na also, hatten wir doch recht. Die ganze Sache war ein Fake.“ Ich nicke zustimmend. Wieder zurück im Seminarraum (wir haben mittlerweile 23:30 Uhr) finden wir eine gelöste Teilnehmergruppe vor, die Bier trinkend und rauchend im Seminarraum sitzt und sich offensichtlich köstlich amüsiert. Nach einem kurzen Blick auf die beiden Vermissten, die uns schelmisch anlachen, kombiniert mit den zufriedenen Gesichtern der GF´s, die die tolle Zusammenarbeit des Teams beschwören, ist uns endgültig klar, dass die ganze Geschichte abgekartet war. Nach zwei weiteren Runden Bier fängt sich die Runde aufzulösen. Wir bitten die GF´s und die beiden Vermissten noch mal kurz hierzubleiben, da wir für den kommenden Tag noch etwas zu besprechen haben.
Zwischenstand: Christiane und ich sind 100 % sicher, die GF´s und die verschwundenen Teilnehmer haben die Situation gefaket. Die GF´s glauben, dass Christiane und ich mit den Vermissten unter einer Decke steckten. Die restlichen Teilnehmer sind sich ganz sicher, dass entweder wir oder die GF´s sie gerade verladen und es zum Training dazugehört.
Nachdem sich der Raum bis auf die Hauptakteure geleert hatte und wir ein weiteres frischgezapftes Bier in der Hand hielten, leitete ich die nun folgende Konversation ein mit dem Satz: „Wir haben im Prinzip nichts gegen ein bisschen Action und Aufregung bei Teamentwicklungen, nur wüssten wir vorher gerne Bescheid, um adäquat auf die Situation reagieren zu können.“ (Ich war ziemlich stolz auf diesen Satz um die Uhrzeit nach drei Bieren) und war gespannt auf die Reaktion meiner Gesprächspartner. Anstatt einer Antwort schauten Christiane und ich in erstaunte GF´s Gesichter. Jetzt war klar, die wussten auch nichts! OK, dann hatten halt die beiden Vermissten sich die ganze Geschichte ausgedacht. Diese konnten allerdings sehr glaubhaft versichern, dass sie sich wirklich verlaufen hatten. Was eine kurze Überprüfung ihrer Laufstrecke auf der Karte zusätzlich untermauerte. Nachdem wir uns alle noch mal ungläubig angestarrt hatten, fingen die GF´s an zu grinsen und dann schallend zu lachen in das wir, die Vermissten und die Personalentwicklerin einstimmten. Christiane und ich strickten im Anschluss an das Gespräch noch schnell das Training für den nächsten Tag um und um drei Uhr konnte ich mich zur Ruhe betten. Der nächste Tag war unglaublich gut. Die Teilnehmer schafften fast alle der Aufgabenstellungen in der Hälfte der Zeit. Ist ja auch kein Wunder… nach diesem Einstieg am Vorabend. Alle äußerten sich beim Abschlussfeedback sehr zufrieden über das Training. Die GF´s bedankten sich alle einzeln und per Handschlag bei Christiane und mir. Die Personalentwickerlerin umarmte uns sogar.
Fazit: Christiane und ich sind 100 % zufrieden und überlegen ernsthaft, die Vermissten in das Trainingskonzept einzubauen. Die GF´s sind auch 100 % zufrieden. Die Personalentwicklerin ist 100 % zufrieden. Die restlichen Teilnehmer sind sich ganz sicher, dass die Vermissten sich nie wirklich verlaufen hatten und die ganze Geschichte zum Trainingskonzept gehört.
Für mein erstes Outdoortraining gar nicht schlecht, finde ich.

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