Kategorie: Sonstiges | 24.11.2014

Outdoortraining zur Teamentwicklung auf Abwegen

…oder: „Immer locker bleiben“

Pleiten, Pech und Pannen beim Outdoor-Training – eine sehr spannende Geschichte mit glücklicherweise gutem Ausgang.
Situation:
  • Anfrage zu einem Outdoortraining für die gesamte Führungsmannschaft.
  • Neue Personalentwicklerin auf Kundenseite, die gegen die Bedenken aus den eigenen Reihen eine neue Trainingsfirma ausprobieren will.
  • Kunde hatte bis dato noch nie was gebucht.
  • Insgesamt 18 Personen inkl. aller drei Geschäftsführer und der PE-Tante.
  • Keiner der Stammtrainer konnte das Training machen
  • Ich selbst hatte bis dato immer nur als Co-Trainer agiert.
  • Also musste ich ran mit meiner erfahrenen Trainerkollegin „Christiane“, die ich allerdings noch nicht kannte.
  • Hauptverantwortung + Vorbereitung lag an mir.
Ziele
  • Projektkompetenzen sollten verbessert werden
  • Insgesamt sollen sich die TN stärker als Team wahrnehmen und agieren
  • Weiterentwickeln für Führungs- und Teamkompetenzen für den eigenen Führungsalltag
Zeiten (geplant)
  • 1,5 Tag Training,
  • 1. Tag 20:00 bis ca. 22:00 Uhr
  • 2. Tag 08:00 – 17:00 Uhr
Zeiten (Realität)
  • 1. Tag 20:30 – 01:00
  • 2. Tag 08:30 – 17:00
Geplanter Ablauf 1. Abend Wolfspfad: mehr zur Entspannung und Einstimmung Leuchtstäbe im schon dunklen Wald finden, die einen Weg markieren. Es ist immer nur der jeweils nächste Leuchtstab zu sehen. An einer Stelle (die vorher angekündigt war) müssen die Teilnehmer sogar erst ca. 50 Meter in die Dunkelheit laufen, bis sie das nächste Licht sehen können. Den Teilnehmern war es freigestellt, alleine oder zu zweit zu gehen. (Der Wald an sich war durch viele verschiedene Forstwege recht unübersichtlich. Die Wege waren in einem guten Zustand. Um das gesamte Gelände gingen Landstraßen, keine steilen Abhänge oder Löcher, also keine objektiven Gefahrenquellen.) Am Ende des Pfades hatten wir eine „Wolfshöhle“ mit Fackeln und was zum Trinken vorbereitet, um hier den Abend gemütlich ausklingen zu lassen und den 2. Tag zu besprechen. Doch dazu sollte es nicht kommen… 2. Tag Outdoorprojekt: Das eigentliche Outdoortraining in zwei Gruppen, die miteinander kooperieren mussten, um die verschiedenen gestellten Aufgaben im Gelände erfolgreich bewältigen zu können.

Tatsächlicher Ablauf des Outdoortrainings

Der Abend mit dem Wolfspfad lief wie geplant bis ca. 21:00 Uhr. Ab diesem Zeitpunkt stellten wir fest, dass drei der insgesamt 18 Teilnehmer nicht an der Endstation „Wolfshöhle“ angekommen sind. Zu diesem Zeitpunkt machten wir uns seitens der Trainer noch keine Gedanken, da die Teilnehmer ziemlich gut drauf waren und wir davon ausgingen, dass die drei sich entweder einen Spaß erlaubten oder einfach langsamer als die anderen gegangen sind. Auch gab es unterhalb der Wolfshöhle verdächtiges Geknacke im Gebüsch, das sofort aufhörte, als wir mit den Taschenlampen hinleuchteten. Nach ca. 15 Minuten forschten wir nach, wer genau fehlte und wann die drei losgelaufen waren. Es stellte sich heraus, dass sie zu verschiedenen Zeitpunkten losgingen und einer der drei alleine ging. Daraufhin machte sich erste Besorgnis bei den Teilnehmern breit. Vor allem bei den drei GF´s. Zwei der GF´s rannten ca. 5 Minuten später mit einer brennenden Fackel in den trockenen Wald. Nicht ohne vorher wüste Szenarien wie z.B. „allein im dunklen Wald verlaufen“ bis hin zu „in eine Schlucht gestürzt und das Bein gebrochen“ herausbeschwörend. Das irritiere uns Trainer doch ein wenig, da wir uns im Taunus und nicht Norwegen befanden. In dem Zusammenhang fiel uns dann noch eine Bemerkung der GF´s bei der Vorstellungsrunde ein, dass es ruhig etwas Action und Aufregung geben darf. Nachdem wir 2 und 2 zusammengezählt hatten, dämmerte Christiane und mir der Verdacht, dass die drei Teilnehmer aus einem bestimmten Grund noch fehlten. Urplötzlich tauchte einer der drei aus dem Gebüsch auf. Erleichtert schaute er in unsere Taschenlampen und Fackeln. „Ich habe mich total verlaufen und dann nicht mehr zurückgefunden“ rief er. Auf die Frage, ob er schon mal versuchte hatte, unterhalb der Wolfhöhle zu uns durchzukommen, schaute er uns nur fragend an. Auch die anderen zwei, die noch fehlten, hatte er nicht gesehen. Die GF´s waren immer noch ziemlich aufgeregt und steckten so langsam die anderen Teilnehmer an. Vorschläge die Polizei und die Bundeswehr einzuschalten, die dann mit Hubschraubern und Infrarotgeräten das Gelände absuchen könnte, blockten wir ab. Andere Kollegen der zwei äußerten den Verdacht, dass es den zwei ähnlich sehen würde, sich einen Scherz zu erlauben und bereits in der Hotelbar zu sitzen. Das verstärkte Christianes und meinen Anfangsverdacht. Vor allem weil die GF´s dagegen argumentierten. Die anwesende Personalentwicklerin versuchte ebenfalls, die Wogen zu glätten. Da keiner so wirklich was wusste, bliesen wir zum Abmarsch ins Hotel, um dort nach den beiden zu suchen. Leider waren die beiden weder in der Hotelbar noch in der Sauna oder auf ihrem Zimmer. Auch das Hotel hatte keine Nachricht. Also trafen wir uns mit allen Teilnehmern zur „Lagebesprechung“ in unserem Seminarraum. Die Stimmung war insgesamt ziemlich locker. Die Teilnehmer unterstellten Christiane und mir, dass wir die ganze Geschichte konstruiert hätten. Unsere Beteuerung, dass dem nicht so ist, wurde nicht geglaubt. Na ca. 15 Minuten, in denen nicht wirklich ein konstruktiver Beitrag zur Auffindung der Vermissten gemacht wurde (außer Polizei und Bundeswehr), nahm mich einer der GF´s nach draußen. Sehr eindringlich fragte er mich, ob wir etwas über den Verbleib der Vermissten wüssten und ob die momentane Situation Teil des Trainings ist. Das verneinte ich natürlich ausdrücklich und stellte die gleiche Frage meinem Auftraggeber, der diese ebenso verneinte und feststellte, dass die Situation somit ernster sei als er bisher angenommen habe. Ich war dennoch immer noch der Meinung, dass die GF´s etwas mit der ganzen Geschichte zu tun haben. Christiane ebenso. Die GF´s forderten nach kurzer Absprache untereinander die anderen Teilnehmer auf, Vorschläge zur Suche der Vermissten zu machen. Das unterstützten wir natürlich und boten Karten von der Umgebung, sowie Funkgeräte und Kompanten an, die wir für den morgigen Projekttag schon vorbereitet hatten. Das bestätigte wiederrum einige der TN in ihrer Hypothese, dass das alles nur gespielt war. Nach weiteren Beteuerungen von unserer Seite und mit tatkräftiger Unterstützung der GF´s konnten wir diese Teilnehmer mundtot machen.
Zwischenstand: Christiane und ich glauben, die GF´s oder die Vermissten haben die Situation konsstruiert, darüber hinaus könnten sich die Teilnehmer wirklich verlaufen haben, was wir allerdings als recht unwahrscheinlich einstuften Die GF´s pendeln zwischen wir haben was gefaket und die Teilnehmer sind wirklich verschollen. Die restlichen Teilnehmer sind sich ganz sicher, dass entweder wir mit den GF´s oder den Vermissten sie gerade total verladen haben und es Teil des Teamtrainings ist.
Nach einer kurzen und sehr zielorientierten Planungsphase der Teilnehmer ist das Gelände um das Hotel in 7 verschiedene Bereiche aufgeteilt. Es gibt 7 Gruppen á 2 Personen (Christiane und mich mitgezählt) und eine „Zentrale“, die im Seminarraum installiert wird. Alle haben alle HandyNr. und die Kommunikationswege sind genau definiert. Christanes und mein erster Weg ist die Wolfhöhle, um dort das Material abzubauen und um Christianes Handy zu holen. Ca. 20 Minuten nachdem wir den Seminarraum verlassen haben, kriegen wir die Nachricht von der „Zentrale“, dass die beiden Vermissten gefunden und wohlauf sind. Christiane grinst mich an und sagt: „Na also, hatten wir doch recht. Die ganze Sache war ein Fake.“ Ich nicke zustimmend. Wieder zurück im Seminarraum (wir haben mittlerweile 23:30 Uhr) finden wir eine gelöste Teilnehmergruppe vor, die Bier trinkend und rauchend im Seminarraum sitzt und sich offensichtlich köstlich amüsiert. Nach einem kurzen Blick auf die beiden Vermissten, die uns schelmisch anlachen, kombiniert mit den zufriedenen Gesichtern der GF´s, die die tolle Zusammenarbeit des Teams beschwören, ist uns endgültig klar, dass die ganze Geschichte abgekartet war. Nach zwei weiteren Runden Bier fängt sich die Runde aufzulösen. Wir bitten die GF´s und die beiden Vermissten noch mal kurz hierzubleiben, da wir für den kommenden Tag noch etwas zu besprechen haben.
Zwischenstand: Christiane und ich sind 100 % sicher, die GF´s und die verschwundenen Teilnehmer haben die Situation gefaket. Die GF´s glauben, dass Christiane und ich mit den Vermissten unter einer Decke steckten. Die restlichen Teilnehmer sind sich ganz sicher, dass entweder wir oder die GF´s sie gerade verladen und es zum Training dazugehört.
Nachdem sich der Raum bis auf die Hauptakteure geleert hatte und wir ein weiteres frischgezapftes Bier in der Hand hielten, leitete ich die nun folgende Konversation ein mit dem Satz: „Wir haben im Prinzip nichts gegen ein bisschen Action und Aufregung bei Teamentwicklungen, nur wüssten wir vorher gerne Bescheid, um adäquat auf die Situation reagieren zu können.“ (Ich war ziemlich stolz auf diesen Satz um die Uhrzeit nach drei Bieren) und war gespannt auf die Reaktion meiner Gesprächspartner. Anstatt einer Antwort schauten Christiane und ich in erstaunte GF´s Gesichter. Jetzt war klar, die wussten auch nichts! OK, dann hatten halt die beiden Vermissten sich die ganze Geschichte ausgedacht. Diese konnten allerdings sehr glaubhaft versichern, dass sie sich wirklich verlaufen hatten. Was eine kurze Überprüfung ihrer Laufstrecke auf der Karte zusätzlich untermauerte. Nachdem wir uns alle noch mal ungläubig angestarrt hatten, fingen die GF´s an zu grinsen und dann schallend zu lachen in das wir, die Vermissten und die Personalentwicklerin einstimmten. Christiane und ich strickten im Anschluss an das Gespräch noch schnell das Training für den nächsten Tag um und um drei Uhr konnte ich mich zur Ruhe betten. Der nächste Tag war unglaublich gut. Die Teilnehmer schafften fast alle der Aufgabenstellungen in der Hälfte der Zeit. Ist ja auch kein Wunder… nach diesem Einstieg am Vorabend. Alle äußerten sich beim Abschlussfeedback sehr zufrieden über das Training. Die GF´s bedankten sich alle einzeln und per Handschlag bei Christiane und mir. Die Personalentwickerlerin umarmte uns sogar.
Fazit: Christiane und ich sind 100 % zufrieden und überlegen ernsthaft, die Vermissten in das Trainingskonzept einzubauen. Die GF´s sind auch 100 % zufrieden. Die Personalentwicklerin ist 100 % zufrieden. Die restlichen Teilnehmer sind sich ganz sicher, dass die Vermissten sich nie wirklich verlaufen hatten und die ganze Geschichte zum Trainingskonzept gehört.
Für mein erstes Outdoortraining gar nicht schlecht, finde ich.

Kategorie: Sonstiges | 04.09.2014

Pleiten, Pech und Pannen „Flug verpasst“

Morgens 9:00 Frankfurt Hbf Rückseite, wo die Busse von Frankfurt nach Hahn abfahren (der dortige Flugplatz wird von auch Frankfurt-Hahn genannt, obwohl er 125 km weit weg liegt): 13 gutgelaunte Menschen treffen sich für ein Seminar in England. Alle freuen sich auf eine entspannte Reise in eine andere Kultur und den mit dem Seminar verbundenen Aufenthalt. Der Flug sollte in 5,5 Stdn gehen – also mehr Zeit als genug für die Fahrt zum Flughafen Hahn – die mit dem Bus normalerweise maximal 2 Stunden dauert. So der Plan. Wir kamen auf der Autobahn relativ gut voran und standen dann auf einmal drei Abfahrten vor Hahn, nach einer knappen Stunde Fahrt, plötzlich im Stau. Naja, kann passieren. Ist ja noch Zeit – dachten wir – wir sind ja fast da. Geht gleich weiter, kein Problem – was man halt so denkt. Doch nichts ging weiter, noch weniger löste sich der Stau auf. Bis dahin kam auch nirgends eine Nachricht, was da überhaupt los ist, und warum der Stau sich immer noch staute. Nach etwa einer Stunde (Abflug in 3,5 Stunden, minus eine ¾ Stunde vorher einchecken), als es sich der ein oder andere auf der Autobahn gemütlich gemacht hatte, telefonierte ich immer hektischer herum um herauszufinden, wann und wie es weiter geht und vor allem wollte ich den Flughafen erreichen, um die Fluglinie zu informierten, das wir ein kleines Problem hätten und ob wir gegebenenfalls beschleunigt einchecken könnten, falls wir etwas gehetzt auf den letzten Drücker angerannt kämen. Das konnte mir bei der irischen Hotline der Fluglinie nicht wirklich jemand kompetent beantworten, da der Check-In-Schalter erst eine ¾ Stunde vor dem Take-Off aufmacht. Und vorher ist da niemand zu erreichen (das kenne ich schon aus früheren Erfahrungen – ich sage da nur Dänemark). Auch die Betreiber des Flughafens bestätigten mir, dass dem genauso sei. Mein Nervenkostüm löste sich langsam in Wohlgefallen auf und die Teilnehmer zeigten ebenfalls das gesamte emotionale Spektrum von gelassen bis hochtnotsauer. Diskussionsthemen wie „Nur 5 Stunden Puffer für die Anreise zum Flughafen: zuviel oder zuwenig“, „ Seminarleiter ist an allem schuld“, „Das wiiiird schooon“ ebbten auf und ab. Was tun? Gepäck nehmen, bis zur nächsten Ausfahrt gehen und Taxi bestellen? Der Flug, so versicherten die Hotlines und Experten dieser Welt würde auf jeden Fall nicht warten, es gäbe da sehr enge Zeitpläne einzuhalten … Mittlerweile war´s eine Stunde vor Abflug. Dann kam die Nachricht im Radio: „ 300 Meter vor der Abfahrt Hahn ist ein LKW mit einer brennbaren Flüssigkeit ins Schlingern gekommen, umgekippt und in Flammen aufgegangen. Keine Verletzten. Aber die Autobahnteilstrecke ist hinüber – THW und Feuerwehr basteln eifrig und versuchen den Asphalt abzukühlen. Infolgedessen kann es sich noch Stunden bis zur Freigabe der Autobahn hinziehen.“ Na wunderbar – Katastrophe war komplett, die Flüge waren futsch. Mir blieb nur, die mir nun sehr genau bekannte irische Hotline mal wieder anzurufen und mich nach neuen Flügen zu erkundigen. „Neue Flüge – kein Problem. Bitte zahlen Sie umgehend mit Kreditkarte. Übers Internet kein Problem, über´s Telefon schon.“ Handys mit Internetoption gab´s damals noch nicht (in Dänemark gab´s noch nicht mal Handys). Also wie sollten wir erstens überhaupt buchen und zweitens wer hat eine solch dicke Kreditkarte, dass sie für 13 jetzt gar nicht mehr so billige Billigflüge (=10x so teuer wie ehedem) gedeckt ist? Kurzum: keiner. Doch …! Einer der TN war der Sohn eines leitenden Mitarbeiters einer großen Frankfurter Bank, der wiederum machte die Zahlungsabwicklung möglich, so dass wir mit einigen Stunden Verspätung den Abendflug erreichten und unsere Tickets tatsächlich in Händen hielten. Fast ehrfürchtig betrachteten wir diese und noch ehrfürchtiger betraten wir das Flugzeug. Und vor allem diese Startbahn genossen wir … wie schnell man doch von der Stelle kommen kann, wenn die Piste frei ist! Ich hatte zwischendurch auch mit meinem englischen Kooperationpartner telefoniert und mit einigen anderen am Seminar beteiligten Personen, so daß in England ein Bus in Stanstead immer noch auf uns wartete – Schön, dachten wir, und stiegen ein … Das weitere Seminar verlief optimal und wir behielten es alle in sehr guter Erinnerung. Fazit: Ein schlechter Start heißt noch gar nichts! Ein schlechtes Ende hingegen …

Kategorie: Sonstiges | 28.07.2014

Verletzung beim Outdoortraining – Pleiten, Pech und Pannen

Wir hatten ein Training zur Förderung von individuellen Teamfähigkeiten in Meißen mit ca. 40 Consultans. Der Tag war voll mit teilweise recht anspruchsvollen Übungen, in denen die Teilnehmer Seilbrücken bauen konnten, auf Bäume kletterten und Hindernisse überqueren mussten. Für die Teilnehmer klingt das bei der Projektvorstellung immer nach Spass, Abenteuer und natürlich Gefahr. Aus Sicht der meisten Teilnehmer besteht ein sehr hohes Unfall- und Verletzungsrisiko – was ja auch den Reiz solch eines Trainings erhöht und somit für eine gesunde Ausschüttung von Endorphinen sorgt. Objektiv ist das Risiko einer Verletzung oder eines Unfall allerdings recht gering und mit der Gefährlichkeit eines Wandernachmittages gleichzusetzen. Vorausgesetzt das Training ist gut vorbereitet und die Trainer verfügen über ausreichend Erfahrung im Bereich Sicherungstechnik. Was dann allerdings passierte – damit hatte nun wirklich keiner von uns gerechnet. Es war 17:00 Uhr. Der Projekt- und Übungsteil des Trainings war bereits vorbei und alle vier Teilnehmergruppen liefen sehr zügig auf dem Weg zurück in den Seminarraum, um keinen Punktabzug wegen Zeitüberschreitung zu kassieren. Die Stimmung war gelöst. Fast alles hatte geklappt, nur sind alle ein bisschen spät dran. Ca. 20 Meter vor dem Hotel passierte es dann: Vor mir liefen drei der Teilnehmer nebeneinander und waren offensichtlich sehr in ein Gespräch vertieft. Sie liefen auf dem Bordstein, der allerdings recht schmal war. Kurz vor dem Hotelvorplatz stand ein sehr großes, fest installiertes Straßenschild mitten auf dem Bordstein. Der linke Teilnehmer geht links vorbei, der rechte Teilnehmer geht rechts vorbei und der in der Mitte…. na ja, Sie wissen schon auf was es hinausläuft. Es gab einen satten, metallenen Ton und der mittlere Teilnehmer lag völlig verdutzt und benommen vor dem Straßenschild und hielt sich die Stirn. Die beiden anderen merkten es im ersten Moment gar nicht und liefen weiter. Natürlich liefen alle sofort hin, um dem Teilnehmer aufzuhelfen. Immer noch leicht benommen taxierte er völlig verdattert das Schild und schüttelte den Kopf. Außer Kopfschmerzen und einer kleinen Platzwunde, die vom Hotelarzt fachmännisch versorgt wurde, war zum Glück weiter nicht passiert. Die Lacher hatte er bei der Abschlussreflexion allerdings auf seiner Seite.

Kategorie: Sonstiges | 27.06.2014

Pleiten, Pech und Pannen „Synergien der anderen Art“

Vor einiger Zeit fragte mich eine befreundete Unternehmensberaterin, ob ich nicht Lust hätte, mit ihr zusammen ein Motivationsevent mit circa 90 Teilnehmern – alles Führungskräfte und Vertriebler eines Reifenherstellers – durchzuführen. Ich hatte Zeit, ich hatte so was noch nie gemacht – also drauf mit Elan! Wir planten wie entfesselt: Ein Spielparcours mit 9 Stationen innerhalb und außerhalb eines schönen Hotels sollte es sein – jedes Spiel hatte seinen eigenen Reiz und Witz und die jeweils zehn Personen starken Gruppen traten gegeneinander an. Unser Spaß in der Planungsphase übertrug sich auch auf dieses Incentive-Event. Lachend und scherzend zogen die Gruppen durch den Parcours und drohten sich gegenseitig mit ihren erspielten Punktezahlen: „Was, ihr habt nur acht Punkte?“ „Was habt Ihr denn da zusammengespielt?“ „Ihr wart wohl in der Küche Tellerwaschen – das gilt nicht!“ et cetera. Es war wirklich eine tolle Stimmung. Ich war richtig in Fahrt und sorgte dafür, dass die Gruppen die Zeiten einhielten und passte auf, dass sie die richtige Reihenfolge der Spiele beachteten, damit sich nicht versehentlich mehrere Gruppen in einem Raum knubbelten. Allerdings kannte ich die Teilnehmer kaum, was bald ein Auslöser für Chaos wurde… Ich lief also in den Hotelgängen, im Foyer und im Hotelgarten herum. Im gestreckten Galopp bemerkte ich eine Gruppe von um die zwanzig ruhig dastehenden und eher neutral dreinblickenden Herren in leger gepflegtem Outfit. Eben wie unsere Teilnehmer alle gekleidet waren. „Na hallo, jetzt aber mal flott ins nächste Spiel, meine Herren! Wir sind ja nicht zum Spaß hier!“ Mit diesen Worten und einer Portion Charme (dachte ich) bugsierte ich diese Herren kurzerhand in den Spielparcours. Offenbar war da noch eine Portion Dämlichkeit im Spiel, wie sich bald herausstellte. Denn Wunder über Wunder tauchte nach einer Stunde meine liebe Beraterfreundin mit etwas blässlicher Hautfarbe auf: „Sag mal, was ist denn da passiert? Im Spielraum vier stauen sich dreißig Leute?! Wie konnte das passieren!? Wo kommen die alle her? Heiliger Mist!“ Nun ja. Ich schlenderte Schlimmes ahnend, nach außen aber völlig ruhig Richtung Raum vier. Da spielten sichtlich gut gelaunt mit hochgekrempelten Hemdsärmeln dreißig Personen zusammen das Spinnenspiel. (Man muss sich nacheinander, ohne ein riesiges „Spinnennetz“ zu berühren, gegenseitig durch dieses auf die andere Seite bugsieren. Eine typische Teamentwicklungsübung.) Mit unschuldigem Gesichtsausdruck fragte ich, zu welcher Firma denn die Neuzugänge gehörten und erfuhr, dass sie ganz und gar nicht zu dem besagten Reifenhersteller gehörten. „Das macht nix“, entgegneten die eigentlichen Teilnehmer. “Mit euch können wir richtig Punkte machen!“ Mir wurde etwas warm. Ehrlich gesagt fühlte ich mich erst mal hundeelend. Ich schwamm in einer Woge von Peinlichkeit und schämte mich fürchterlich. Ich ließ die zwanzig Herren noch dieses Spiel zusammen beenden und bat dann die „Neuzugänge“, die Gruppe wieder zu verlassen. Das taten die Herren dann auch, erklärten mir aber, nachdem ich mich entschuldigt hatte, dass sie selten auf einer Projekttagung so viel zu lachen gehabt hatten. Ich bräuchte mich wirklich nicht zu entschuldigen. Der Moderator dieser Projekttagung war auf mich allerdings gar nicht gut zu sprechen – schließlich suchte er eine Stunde lang nach dem gesamten Plenum! Wenn Blicke töten könnten. Der Tag endete mit einem Lob an die Leitung (wir – ha!) und das eigentliche Highlight waren die ungeplanten `Synergien´ in Raum vier. Zu Beginn der Rückfahrt konnten wir beide gottseidank diesen Tag positiv bewerten und zu Hause angekommen hatten wir bereits einige Lachkrämpfe hinter uns. Trotzdem passiert mir so was nicht noch mal.

Kategorie: Sonstiges | 22.05.2014

Die falschen Teilnehmer – Pleiten, Pech und Pannen

Was die falschen Teilnehmer und ein Gefangenenaustausch mit einem Training zu tun haben können, lesen Sie heute in unserer losen Serie „Pleiten, Pech und Pannen“. Mein Kollege Tobias und ich arbeiten mal wieder seit langer Zeit zusammen. Wir hatten ein schönes neues Seminarhotel und konnten schon am Vorabend alles vorbereiten und aufbauen. Am nächsten Tag sollte es um 9:00 Uhr losgehen. Wir verabredeten uns für 8:30 Uhr, um uns in Ruhe noch mal abzusprechen und die ersten Teilnehmer begrüßen zu können. Pünktlich um 8:30 Uhr war ich im Raum. Noch nicht ganz fertig angezogen, aber immerhin. Noch mit im Raum warenTobias und 7 Teilnehmer, die bereits auf ihren Stühlen saßen und mich erwartungsvoll anschauen. Mein leicht irritierter Blick wurde von Tobias erwidert. Irgendwas muss ich ja sagen. Also sagte ich erst mal: „Guten Morgen! Was für ein Begrüßungskomitee. Das wäre doch nicht nötig gewesen. Wir hatten Sie erst für 9:00 Uhr erwartet.“ Nach einer kurzen Rückfrage stellt sich heraus, dass unsere Teilnehmer für 8:30 eingeladen sind. Auch sind es plötzlich 12 statt 10 Teilnehmer. Aber OK. So was ist nicht ungewöhnlich. Um unsere Teilnehmer, die mittlerweile den zweiten Kaffee in der Hand halten, nicht noch länger auf die Folter zu spannen, starteten wir mit der offiziellen Begrüßung und stellten das Ziel der Veranstaltung vor. „Herzlich Willkommen zum Moderations-Training! Wir freuen uns auf 2 spannende Tage mit Ihnen. Sie lernen hier…“ Uns schauten 12 fragende Augenpaare an. OK. Vielleicht hatte ich im Eifer des Gefechtes ein bisschen schnell gesprochen. Tobias wiederholte es noch mal und fragte, ob das für die Teilnehmer so passt. Wieder 12 fragende Augenpaare. Also taten wir das, was jeder gute Trainer tut, wenn er nicht weiter weiß: Wir fragten die Gruppe! Endlich redete einer der Teilnehmer mit uns. Er sprach von Präsentieren, Rhetorik und Power-Point. In mir keimte ein Verdacht. Zügig ging ich zur Tür und sah die nette Trainerkollegin aus dem Nachbarraum recht verloren auf dem Flur stehen. Auf meinen fragenden Blick antwortete sie, dass sie noch den größten Teil ihrer Teilnehmer vermisse. Eigentlich wollte sie um 8:30 Uhr anfangen. Ich frage sie: „Für welches Training?“ (Wobei mir hier schon klar war, auf was die ganze Sache rausläuft.) „Präsentieren und Rhetorik“ antwortet sie. Eine kurze Rückfrage bei ihren Teilnehmern ergab, dass diese eigentlich ein Moderationstraining besuchen wollten. Nach einem kurzen Gefangenaustausch und einer neuen Runde Small Talk + Kaffee ging es dann endlich los.

Kategorie: Sonstiges | 24.04.2014

Pleiten, Pech und Pannen

Trainer im Container

Nach einem anstrengenden und erfolgreichen Training mit einem erfahrenen Kollegen fotografierten wir noch die letzten Charts, die wir im Training mit den Teilnehmern entwickelt hatten. Überhaupt hatten wir und die Teilnehmer sehr viele neue Charts und Ideen entwickelt. Ich hatte eine superneue Digitalkamera von unserem Backoffice zugeteilt bekommen. Mit nur noch einem Chip statt der drei oder vier, auf die ich sonst immer aufpassen musste. Leider ohne Bedienungsanleitung. Aber da es das Nachfolgemodell meiner alten Kamera war, machte ich mir deswegen keine allzu großen Sorgen. Zumindest bis zu diesem Zeitpunkt. Wir hatten aufgrund von allgemeinen Einsparungen die Order,  die Charts gleich in der richtigen Reihenfolge in einer guten Qualität zu fotografieren. Also fotografierte ich und mein Kollege Gerhard stellte die Pinnwände und Flipcharts in die richtige Reihenfolge. Als ich mich bei einem der letzten Bilder verknippst hatte, bat ich Gerhard kurz zu warten, damit ich es löschen und noch mal neu aufnehmen kann. Gerhard hielt das für keine gute Idee. Vergebens suchte ich den Knopf zum Löschen, der an meiner alten Kamera (immerhin ja das Vorgängermodell) noch dran war. Gerhard wusste es auch nicht. Nach einigem Überlegen war ich mir absolut sicher, den richtigen Knopf gefunden zu haben. Gerhard riet mir noch mal  aufgrund des Restrisikos ab. Aber den Mutigen gehört die Welt… zumindest manchmal und ich drückte den Knopf um das letzte Bild zu löschen und…  löschte den ganzen Chip. Alle Bilder des 3-tägigen Trainings. Wirklich alle! Laut Aussage von Gerhard wechselte meine Gesichtsfarbe von Kalkweiß hin zu einem leichten Gelb, dann Rot, um wieder Weiß zu werden. Die Bilder waren weg. Und damit alle Charts die zum größten Teil im Papierkorb bzw. im hoteleigenen Papiercontainer lagen. Freundlicherweise erlaubte mir das Hotel, in eben diesen zu klettern und stattete mich darüber hinaus freundlicherweise noch mit einer Taschenlampe aus. So bewaffnet wühlte ich in den Papierabfällen der letzten 10 Trainings herum, um unsere Charts zu finden. Gerhard sprach mir vom Rand des Containers Mut zu und lobte und beglückwünschte mich zu jedem Chart, das ich fand. Danke Gerhard! Leicht zerknittert – wie ich übrigens auch – fand ich immerhin noch 23 Charts und drei Kartensätze mit jeweils 30 Karten, die wir fachmännisch in einer 2-stündigen Puzzle- und Bügelaktion restaurierten. Ich lösche nie wieder Fotos – versprochen Gerhard!

Kategorie: Sonstiges | 27.02.2014

Pleiten, Pech und Pannen „Aus Fehlern wird man klug“

Nach 3 Jahren angestellter Tätigkeit bei einem Trainingsinstitut hatte ich mir endlich einen Traum erfüllt: Ich war selbständig. Um mich nicht gleich mit aller Gewalt allein am Markt behaupten zu müssen, tat ich mich mit einigen Kollegen zusammen, die wohl die gleiche Sorge hatten. Wir hatten große Pläne: den Deutschen Markt wollten wir erobern und mit unseren Inhalten beglücken. Die Inhalte finde ich immer noch gut, nur habe ich die folgende Strategie mittlerweile überdacht. Da wir gemeinsam stark sind, mieteten wir uns ein Büro in der Münchener Innenstadt. Um unseren Kunden einen guten Eindruck zu vermitteln, mieteten wir eine Wohnung in Bogenhausen. Wer München kennt weiß, dass das einer der noblen Wohnorte der Stadt ist. Die Wohnung war groß, hell und hatte drei Zimmer. In Zeiten großen Kundenandranges konnten wir also in drei Räumen parallel coachen. Die Vormieter der Wohnung waren private Freunde von uns allen. Da die Kosten für die Wohnung bzw. unser Büro geteilt durch 4 Personen ein überschaubares Risiko darstellten, haben wir uns für diese Investition entschieden. Es wurden Möbel ausgesucht und angeschafft, Blumen gekauft. Noch bevor irgendein Möbelstück von uns in diesem Büro stand, rief ein potentieller Kunde bei mir an. Ich war sehr aufgeregt. Hosianna – der erste Kunde, den ich in meinem Münchner Büro empfangen konnte. Inhaltlich ging es um einen Generationenwechsel in seiner Firma. Das Thema gefiel mir und so verabredeten wir uns im Büro. Der Termin rückte immer näher. Leider schafften wir es nicht, unsere neuen Büromöbel bis zu diesem Termin in das Büro zu bringen. Also mußte ich so tun, als ob die Schreibtische meiner Bekannten meine eigenen sind. Ich kann nur jedem raten dies nicht zu tun. Ich wußte weder, wo irgendwelche Stifte aufbewahrt wurden, noch wie die Computer zu bedienen sind. Es war einfach nicht mein Platz. Ich fühlte mich sehr unwohl in diesem Büro. Aber es half nichts, da musste ich jetzt durch. Schließlich klingelte der Kunde und ich öffnete ihm die Tür. Er stand in der Tür und begrüßte mich mit den Worten: „Wow, da hat die Frau X sogar eine Assistentin“. Ich war peinlich berührt, da er sich seinen Coach offensichtlich älter vorgestellt hatte. Innerlich tobte ein Vulkan aus Scham, Wut und Ärger über mein jugendliches Aussehen in mir. Gleichzeitig lief der Film, dass ich mir dazu unbedingt selbst ein Coaching geben lassen müsste. Ich antwortete dann, dass ich sein Coach sei und er offensichtlich jemand älteren erwartet hatte. Kaum waren die Worte ausgesprochen, fühlte ich mich noch jünger und dümmer als ich war. Nun ja, der Kunde war sehr höflich und trat dann ein. Ich wollte nur noch aus diesem Büro raus, bevor er erkannte, dass das auch nicht meines ist. Eigentlich war die Auftragsklärung an dieser Stelle schon zu Ende, da ich weder spontan kontern konnte noch irgendeinen Flecken Selbstwertgefühl in mir vorfinden konnte. Aber ich glaubte es noch nicht. Der Kunde nahm Platz und schilderte mir sein Anliegen. Über so viel Kooperationsbereitschaft auf seiner Seite war ich sehr berührt. Ich steckte aber zu tief in meinem Selbstzweifel, dass aus dieser Auftragsklärung nichts mehr geworden ist. Seitdem ist mir sehr bewusst, wie wichtig die richtigen Rahmenbedingungen für eine Auftragsklärung sind. Vor allen Dingen müssen es meine Rahmenbedingungen sein. Da bin ich mittlerweile sehr klar geworden. Nach einigen Jahren erfuhr ich, dass er sich an einen anderen Coach wandte und er sein Nachfolgeproblem gelöst hat. Was die Zusammenarbeit mit anderen betrifft, ist klar, dass sich jeder bewusst sein sollte, wo seine bzw. ihre Stärken liegen. Die Phase der Selbstzweifel, die sicherlich zur Selbständigkeit dazugehört, sollte weitgehend geklärt sein, bevor man oder frau sich auf ein Team einlässt. Werden die Stärken der Einzelnen im Team zusammengesetzt, dann stimmt die mathematische Formel 2+2=7. Haben die Teammitglieder allzu viel Zweifel an sich selbst und brauchen sie die Gemeinschaft, um sich stark zu fühlen, dann wird die mathematische Formel 2+2=0  

Kategorie: Sonstiges | 30.01.2014

Pleiten, Pech und Pannen „Auf Kollisionskurs“

In loser Folge werden wir hier einige Geschichten aus dem Trainerleben veröffentlichen, die unter die Kategorie „Pleiten, Pech und Pannen“ fallen. Der heutige Beitrag stammt von unserer Trainerin Susanne Dietz

Pleiten, Pech und Pannen „Auf Kollisionskurs“

Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich ein dreitägiges Seminar zum Thema „Umgang mit Konflikten im beruflichen Alltag“ im Rahmen einer siebenteiligen Weiterbildungskette „Sozialkompetenz im Beruf“ zu leiten. Da ich bis auf zwei Seminare die gesamte Kette betreute, kannte ich die Teilnehmer also schon aus früheren Seminaren und freute mich auf sie. Der ersten Tag lief wie erwartet intensiv, gut gelaunt und abends saßen wir gemeinsam noch beisammen. Am nächsten Morgen stand ich etwas früher auf, um meine Haare zu waschen. Dies tat ich  wie jeder von uns schon so oft mit der dazugehörigen Routine. Nur vergaß ich, dass ich nicht im heimischen Bad mit den gewohnten Abmessungen war. Ich schüttelte wie üblich meine Haare über dem Badewannenrand mit einer schnellen, vertikalen Bewegung aus – ähnlich headbanging –  und meine Stirn kollidierte intensivst mit besagtem Badewannenrand.  Nach einem lauten BOOIIING!! stand ich benommen über die Badewanne gebeugt und begriff erst, was passiert war, als ich mein Blut in die Wanne laufen sah. Ich schnappte mir laut fluchend ein Handtuch, presste es auf die Stirn und rief die Rezeption an: „Hallo? Ich hab da ein Problem. Könnte mich jemand zum Notarzt fahren? Schnell?  Mein Seminar fängt in einer Stunde an.“ Worauf hin die Rezeptionistin meinte:  „ Ist das bei Ihnen ein Grund für den Notarzt?!“ Ich bellte zurück, dass ich mit den Kopf eingeschlagen hätte und wohl genäht werden müsse. Und zwar dalli! Sofort war die Hotelleitungsassistentin bei mir und wollte auch ad hoc mit mir losfahren. Ich ging allerdings noch vorher mit dem Handtuch vor der Stirn haltend in den Frühstücksbereich und informierte die Teilnehmer, dass das Seminar etwas später beginnen würde. Alle schauten mich geschockt an und jeder der Teilnehmer bot mir sofort an, mich zum Arzt zu fahren. Jeder überstimmte den anderen bis ich schließlich alle anknurrte: „Ja wie denn? Von euch weiß doch keiner, wo hier ein Arzt ist! Ich fahre mit der Begleitung vom Hotel und Basta! Ich verlängert das Frühstück und dann geht´s weiter!“ Gesagt, getan. Beim Arzt kam das übliche Prozedere. Röntgen (Schädel nicht kaputt), Reflexe (alle vorhanden), Schocküberprüfung (ich hab alle angemault, sie sollten voranmachen – also keiner). Dann wurde die Wunde geklebt (die Ärztin erklärte mir, es sei eine Weiterentwicklung von normalem Klebstoff, der wiederum eigentlich von Militärs entwickelt wurde, damit man in Feld Verletzte schneller verarzten konnte – na danke), dann ein netten 5 qcm Pflaster zentral-mittig (wenn schon, denn schon) auf die Stirn und  gab mir den Rat, ich solle den Rest des Tages liegen, weil eine Gehirnerschütterung nicht auszuschließen sei. Ab ging´s via Hotel. Den Rat befolgte ich natürlich nicht und das Seminar ging weiter. Bald merkte ich, dass mein Kopf wohl doch etwas gelitten hatte. Ich fühlte mich zeitweise ein wenig benommen und war an dem Tag geistig nicht immer voll da. Das merkten auch die Teilnehmer und wiederholten an mich gerichtete Fragen, wenn nötig: „Susanne, Hallooo! Biste noch da? Alles ok?“ ich fing mich und richtete meine Aufmerksamkeit wieder aufs Geschehen. Der Tag verlief  dann noch erstaunlich gut und die Teilnehmer witzelten nach einer Weile über meine mittlerweile prachtvolle Beule. `Das letzte Einhorn´, `El Torro´  `Der letzte Indianer´ – wer den Schaden hat … Abends habe ich mich bald zurückgezogen und früh geschlafen.  Am letzten Tag war ich wieder obenauf und wir arbeiteten intensiv und effektiv. Ich hatte das Gefühl, dass mein Missgeschick letztlich eine Verbundenheit zwischen den Teilnehmern und mir hervorgerufen hat. Dieses Gefühl bestätigte sich in den Folgeseminaren. Wir hatten durch das Erlebnis mehr persönliche Nähe entwickelt und die Teilnehmer legten mir gegenüber ein Vertrauen an den Tag, das mir sehr nahe ging und bis heute geht. Übrigens habe ich mir einige Zeit später in einem Seminar den Hinterkopf recht ordentlich  gestoßen, aber das ist eine andere Geschichte … Fotocredit: Stephanie Hofschlaeger  / pixelio.de