Kategorie: Führung | 18.06.2015

Empathie, Wege und Ziele

When Love Goes Wrong, Nothing Goes Right. Marilyn Monroe’s Song aus dem Film: <Blondinen bevorzugt>
Ich nehme mal Marilyn Monroe’s Songzeile als Ausgangspunkt. Die Wissenschaften und auch die Best Practice Management Schreiber haben vergessen, dass es neben der methodischen Wahrnehmung auch immer einen spontanen, emotionalen und gefühlten Zugang gibt! Alle innovativen Führungskräfte haben diesen Zugang, den ein Künstler nutzt, weil Sie einfach die Tätigkeit machen, die Ihnen die meiste Freude bereitet und dadurch natürlich fast von selbst läuft! Empathie ist auch im Vertrieb und Verkauf wichtig. Es ist zentral, dass Sie mit Freude und Gespür bei Ihrer Tätigkeit sind! Sonst – denken Sie an die Songzeile – funktioniert nichts mehr richtig! Dies bedeutet natürlich für Sie selbst, dass Sie darauf achten müssen, dass Sie am richtigen Platz sind! So etwas – im Coaching oft erlebt – ist manchmal ein intensiver gelegentlich auch ein schmerzhafter Klärungsprozess. Dies gilt natürlich auch in der Führung. Da gibt es ja immer Moden. Leider gab es bis vor einiger Zeit eine Überbetonung der Zielorientierung. Und damit entstanden die ritualisierten und oft sinnentleerten Vereinbarungsrituale. Aber da verändert sich in vielen Unternehmen gerade Einiges. Vor drei Wochen führte ich mit einem Kollegen einen solchen Workshop durch. Vorwiegend spielerisch, leicht, emotional und ganz persönlich in einer herrlichen Mittelgebirgslandschaft. Nach dem Workshop ein Gruß an uns Moderatoren von der internationalen Geschäftsführerin. Und eine sehr emotionale Verabschiedung des internationalen Leitungsteams untereinander machte diese drei Tage auch für uns zu einem persönlichen Erlebnis! Aber viele Unternehmen gehen bereits weiter. Sie verzichten fast vollständig auf genaue Zielvereinbarungen. Ein gutes Beispiel dafür ist dm Markt. Hier konzentriert man sich fast von Beginn an auf genaue Kunden- und Bedürfnisanalysen und überlässt die andern Ziele den Leitern der Filialen.
Ich bin seit 33 Jahren bei dm, und es hat in dieser Zeit noch nie ein Wachstums-, Gewinn- oder Umsatzziel gegeben. Unser Ziel ist es, für die Menschen da zu sein. Wenn ich das gut mache, kann ich darauf vertrauen, dass der Erfolg von alleine folgt – das steckt schon im Begriff mit drin. Stellen Sie sich vor, Sie gehen in ein Geschäft, um einen Anzug zu kaufen. Wenn der Verkäufer zum Ziel hat, einen bestimmten Umsatz zu erreichen, verkauft er Ihnen den teuersten. Wenn er Ihnen aber den verkauft, der Ihnen am besten passt, kommen Sie wieder. Diese Haltungsfrage ist uns ganz besonders wichtig. Erich Harsch Geschäftsführer von dm Markt
Denn: Wie schon einmal Reinhard Sprenger vor Jahren schrieb, macht es mehr Spaß, über den Weg zu einem Ergebnis zu diskutieren und an der Umsetzung zu arbeiten. Aber vielleicht machen Sie das ja bereits in Ihrem bereich ebenfalls so? Ich drücke Ihnen dazu die Daumen! Herzlichst Ihr Bernd Hofmann

Kategorie: Führung | 23.04.2015

Gefühlte Leichtigkeit durch innere Stille

Liebe Leser,

wenn eine gewisse Leichtigkeit des Führens effizient ist, dann ist die Basis dieser Leichtigkeit – die innere Stille in ihren verschiedenen Ausprägungen – ein zentraler Erfolgsfaktor für alle Aktivitäten. Ich könnte Ihnen hier noch aus vielen Quellen ähnliche Zitate nennen. Es gibt sie zuhauf. Mir geht es nicht darum, akademische Beweise anzufügen. Auch hier geht’s um die persönliche Erfahrung. Alles Diskutieren und Definieren führt davon weg. Erfahrungen der Stille, des Innehaltens werfen einen angenehmen, dauerhaften Lichtstrahl auf alle unsere Erlebnisse. Alles wird intensiver, farbiger, fröhlicher, tiefer und angenehmer. Und gleichzeitig werden wir entspannter! Einfach gesagt: Es ist ganz praktisch, eine solche Erfahrungsmöglichkeit zu besitzen.

Das ist natürlich keine Theorie! Es ist die körperlich spürbare Empfindung des Getragenseins durch unsere Umgebung, durch alles, die dadurch wächst. Das ist keine aufgesetzte oder erlernte Selbstsicherheit. Und auch keine erlernte Resilienz! Eigentlich hat dies gar nichts mit dem Verstand zu tun. Es ist das gefühlte Eingebettetsein in alles.

Zugänge zur Inneren Stille

Es existieren spontane Zugänge zu innerer Stille. Wenn ich jedoch selbst ein Bedürfnis habe, diesen Zugang zu finden oder zu vertiefen, dann muss ich dies mit Methoden tun!

Es geht also zunächst nicht um Techniken – klar, die gibt es auch – sondern vor allem um ganz private, persönliche Zugänge. Und da entdeckt jeder seine eigenen. Gerade Führungskräfte, die eigenständig sein wollen, vertrauen hier ihrem ganz persönlichen Gespür. Dies kann der ruhige Blick aus dem Fenster oder in den Abendhimmel sein, Zweisamkeit oder eine Tätigkeit, bei der Sie Kraft schöpfen können.

Dies ist ein ganz entscheidender Punkt: Sie brauchen keine Autoritäten, keine Lehrer, auch nicht die „richtige“ Technik oder „Organisationen“ etc., um sich dann womöglich mehr mit denen und vor allem mit deren „Regeln“ zu beschäftigen, als mit Ihren eigenen Erfahrungen und Ihrem immer besser geschärften, inneren Kompass. All dies führt wieder von uns weg und damit in die Abstraktion. Es geht darum, diesen friedlichen Blick, unfokussierten Blick in den Abendhimmel, die Einheit und Harmonie, die wir da empfinden, auf andere Lebenssituationen auszuweiten und dann haben Sie schon eine pragmatische Lösung für den Alltag!

Dies hat nichts mit Überzeugungen zu tun. Glauben bedeutet, dass wir bereits eine Sicht, eine Theorie, eine Einstellung „haben.“ Oder – besser ausgedrückt – die Einstellung hat uns. Dann können wir auch nicht mehr offen sein. Dies gilt auch bei unseren Vorstellungen über innere Stille. Jede Vorstellung, jede ausschließlich theoretische Überlegung zur inneren Stille stört, jedes Räsonnieren vermindert die Erfahrung oder macht sie zunichte. Suchen Sie Ihren ganz persönlichen Zugang!

Wie Sie zur Erfahrung innerer Stille kommen? Ihr ganz individueller Zugang ist entscheidend und der ist nie vergleichbar. Wozu auch? Ob methodisch oder nicht, nach Gusto oder systematisch. Ganz gleich. Sie wissen ja selbst, was Sie erfahren haben, denn das Wissen darüber steckt in dem Erlebten selbst. Wenn Sie eine intensive Erfahrung innerer Stille machen, wissen Sie, das war es!

Es geht ausschließlich um Ihre persönliche Erfahrung und deren positive Auswirkungen und nicht um Beschreibungen davon. Die können Ihnen letzten Endes egal sein. Sie sind völlig unwichtig. Für das Unbeschreibliche kann es nur die persönliche Deutung geben und selbst diese ist uninteressant. Das ist natürlich eine schlechte Nachricht für alle, die „richtige Methoden und Lehrsysteme“ haben und die vor allem gerne Vergleiche erstellen! Die einfachsten Erfahrungen sind auch die Wirkungsvollsten!

Selbstverständlich müssen Sie nicht einmal in die Natur gehen, um innere Stille zu erleben. Es kann während Ihrer täglichen Arbeit geschehen. Es ist so etwas wie ein Nullpunkt, ein Stopp, den Sie zunehmend mit der Erfahrung und Übung nutzen können, um einen neuen Ausgangspunkt zu finden. Manchmal geschieht dies auch völlig von selbst. Je mehr Übung Sie darin haben, still zu sein, desto schneller und unglaublicher kommen die Erfahrungen und Antworten zustande. Es genügt, nach ein klein wenig Übung, diese Momente zu beabsichtigen, dann werden Sie auch ganz individuelle Wege dazu entdecken. Es ist gleich, welche Wege Sie entwickeln, um Erfahrungen innerer Stille möglich zu machen. Einen Ruhepol, an den Sie immer wieder zurückkehren können. Was da aus der Stille entsteht ist immer einzigartig. Die Qualitäten innerer Stille sind vielfältig und wirken sich bei jedem Einzelnen unterschiedlich aus. Hier finden Sie eine Beschreibung der verschiedenen Aspekte.

Die Erfahrung Harrison Owens ist dabei entscheidend: Offenbar beschleunigen solche Erfahrungen Prozesse der Kommunikation und der Selbstorganisation! Und genau dies nutzte Owen und ich inzwischen ebenfalls! Ich habe darüber grade ein Buch abgeschlossen! In der Medizin nennen wir das, was hier geschieht, eine Heilung!

Einen Heilprozess können wir nicht nur medizinisch sehen. Heilung ist ein genereller Prozess, der natürlich auch in Teams, im Unternehmen stattfinden kann. Heilung einmal so verstanden, dass die Funktionen innerhalb des Unternehmens vital stattfinden! Und dies hat enorme Auswirkungen. Doch davon mehr in den nächsten Beiträgen von mir!

Herzlichst Ihr
Bernd Hofmann

Kategorie: Führung | 23.03.2015

Unternehmerische Inspiration – Teil 2

 

Wie sieht es mit der eigenen Inspiration aus?

Sie als Chef sind immer Vorbild mit Ihrem Verhalten, deshalb sollten Sie darauf achten, sich selbst und andern so wenig wie möglich etwas vorzumachen, das wissen Sie! Auch in der eigenen Motivation und Inspiriertheit sind Sie der Spiegel, in dem sich Ihre Mitarbeiter sehen! Was ist für Sie als Chef, Unternehmer, Teamleiter hier wichtig? Diesen Fragen sollten Sie sich selbst stellen:

  1. Ist das, was ich tue, vorwiegend von einer inneren Motivation geleitet?
  2. Bin ich am Abend meist zufrieden mit mir wenn ich nach Hause gehe?
  3. Erlebe ich immer wieder, fast jeden Tag ein wenig persönliche Inspiration in meiner Tätigkeit, auch wenn es manchmal schwere Entscheidungen mit sich bringt?
  4. Habe ich auf Dauer das Empfinden eines persönlichen Gewinns durch meine Tätigkeit?

Eigentlich müssen Sie dann auf Dauer energievoller sein, vorausgesetzt, Sie achten auf Ihre inneren Impulse.

Wenn Inspiration im Team fehlt…

Was tun, wenn diese kreative Inspiration in Ihrem Team oder Unternehmen nicht in ausreichendem Maß da ist? Wenn Motivierung notwendig erscheint? Ihnen die Potentiale bei den Führungskräften fehlen sollten? Das ist in vielen Fällen die Standardsituation.  Hier geht es darum, mit sich selbst organisierender Führung Mitarbeiter genau zu dieser Selbstverantwortung und damit zum Ernstnehmen der eigenen Motivation zu führen.

Und es gibt es wenig effiziente Vorgehensweisen, wie ich es immer wieder in Unternehmen erlebe:

1. Polarisieren

Mit der Zeit müssen die Polarisierer die Erfahrung eines Konfliktes in ihrer Intensität erhöhen, weil die Reaktion sonst abnehmen wird. Die Struktur der Konfliktmanipulation lehrt Menschen, nicht zu zuhören. Offenheit für das Unbekannte, ohne den Raum zwischen Bekanntem und Unbekanntem ständig mit Konzepten, Sichtweisen oder Dogmen zu füllen, kann zu etwas neuem und in der Vorstellung noch nicht Vorhandenem führen.

Robert Fritz in „Creativity“

Polarisieren ist eine beliebte Vorgehensweise der Motivierung. Hier geht es darum, einen Gegenpol zu schaffen zur jetzigen Situation, die entweder angestrebt oder verteufelt wird. Das ist die Zeit der Feldzüge und Aktionen! Alles okay, aber was ist, wenn nichts mehr außer dem zu hören ist! Wenn es nur noch Aktionen gibt! Dann ist das Getöse im Unternehmen groß und die Erfolge müssen mit immer mehr Aufwand getätigt werden. Und die Realität des Marktes bleibt zunehmend draußen. Was fehlt, ist eine neue Ausrichtung und dafür benötigen Sie Reflektion und Zeit.

Das sieht dann beeindruckend aus, aber es sind gefährliche Strohfeuer, die wir da zünden. Sie halten nicht lange und verkehren sich schnell ins Gegenteil. Es ist die große Zeit der Powerpoint Präsentationen und Excel Schlachten. Das ist genau das Puppentheater was in vielen Unternehmen läuft. Alte Maßnahmen greifen nicht mehr, sie müssen immer schneller durch neue Programme ersetzt werden.

2. Methodenkarussell

Unternehmen möchten immer gerne die Potenziale ihrer Mitarbeiter mobilisieren. Doch so, wie man in Mitarbeiter keine Motivation hineinbekommt, holt man auch keine Potenziale aus ihnen heraus. Menschen kann man nicht zwingen, ihre Potenziale zu entwickeln. Sondern nur Bedingungen dafür schaffen, dass dies möglich wird.

Gerald Hüther, Neurowissenschaftler und Bestsellerautor

Manchmal lösen sich Programme, Methoden, und Vorgehensweisen entweder ab, oder – was schlechter ist – werden einfach zum Bisherigen dazu gestellt. Das „Neue“ soll ebenfalls erledigt werden! Was aber immer bedeutet – so funktioniert unsere Aufmerksamkeit nun mal – das was zuletzt kam, ist am unwichtigsten. Die alten Regeln und Programme bleiben zudem intakt und werden ernst genommen. „Was, das sollen wir jetzt auch noch machen?“ lautet dann eine häufig gehörte Frage. Ja, was denn noch?

Dies ist aber genau der Effekt, den wir natürlich nicht erreichen wollen, in vielen Unternehmen ist dies die Regel. Übrigens die Erfolgreichen sind da weitaus sparsamer mit Programmen. Da gibt es wenige Standardprogramme, jedoch immer mal wieder nachdenkliche Runden oder man trifft sich ziemlich informell. Achten Sie darauf! Weniger tun, bedeutet da mehr erreichen!

Dies geschieht auch nicht immer bewusst. Die wichtigsten Ereignisse und Hinweise auf neue Chancen geschehen meist „zufällig“. Es geht auch nicht so sehr darum, ein „Ziel“ zu formulieren und dann dabei zu bleiben. Durch solche sich ständig wiederholende neue Ansätze wird ignoriert, dass ja nicht die neuen Programme mehr Erfolg bringen und viele empfinden das ebenso. Was wollen „die“ denn noch machen? Ja, das ist oft das Ergebnis: Ratlosigkeit und Unverständnis. Und dies wird durch solche Aktionen induziert. Neue Programme bringen wenig Neues, das erkennen Mitarbeiter sofort. Es entsteht das Empfinden, dass durch die Power point Präsentationen und Excel Schlachten nur eine Menge Wind erzeugt wird. Wirklich kreative Impulse anzapfen funktioniert anders!

Es handelt sich um die unterbewussten Kräfte in uns, die schon wissen, wohin sie wollen und uns dann – wenn wir sie wirken lassen – auch genau dahin führen. Dies gilt einmal persönlich dadurch, dass Sie in informellen Runden Mitarbeitern Raum geben, aber in diesem Ansatz zeigt auch die enorme Effizienz von sich selbst organisierenden Methoden wie Open Space.

Was können Sie tun, um inspirierte Mitarbeiter in Ihrem Team zu sammeln?

  1. Sind Sie ehrlich bei der Vorstellung der Tätigkeit. Mich hat einmal ein Chef bei einem Vorstellungsgespräch durch ein ehrliches Statement beeindruckt: „Das hier ist ein verrückter Haufen! Glauben Sie, das können Sie mitmachen?“ Und er beschrieb mir, was bei ihm im Unternehmen los ist. Und er hatte mich extrem neugierig gemacht!
  2. Achten Sie mehr auf die Begeisterung und die grundlegenden Interessen oder auch das, was den Bewerber in der Vergangenheit begeistert hat, wenn Sie neue Mitarbeiter suchen, als auf formale Qualifikationen. Leuchten dem Bewerber die Augen?
  3. Lassen Sie die Teammitglieder bei der Auswahl von Neuen mitentscheiden und machen Sie einen Probetag aus! Dadurch können Sie die Reaktionen und Anmerkungen Ihrer Mitarbeiter nutzen für ein besseres Verständnis.
  4. Geben Sie Neuen die Möglichkeit, nachdem Sie das Unternehmen kennen lernen konnten, also nach 2 bis 3 Monaten evtl. einen anderen Job im Unternehmen wählen zu können, falls der angetretene nicht genau den Vorstellungen entspricht.
  5. Achten Sie immer darauf, wie Ihre Leute drauf sind! Fragen Sie nach, wenn Sie das Empfinden haben, irgendetwas stimmt nicht. Und nehmen Sie sich Zeit für solche Gespräche.
  6. Nutzen Si informelle Runden, bei denen jeder offen sprechen kann über das, was ihn beschäftigt!
  7. Open Space, World Café, Generativer Dialog sind sich selbst organisierende Methoden, bei denen jeder seine Ideen einbringen kann und die Tagesordnung auf spontane Weise entsteht. Diese Methoden werden heute in vielen Unternehmen bereits mit großem Erfolg eingesetzt.
  8. Achten Sie auf die Atmosphäre dort, wo Ihre Leute tätig sind! Es ist gut, ein Feeling dafür zu entwickeln. Für viele Führungskräfte in Verkauf, Service und Vertrieb ein zentrales Element.

Alles Gute für Sie!
Ihr
Bernd Hofmann

Kategorie: Führung | 09.03.2015

Wie Sie als Führungskraft Ihre Mitarbeiter zu Hochleistungen anspornen können

Die Best Practices von heute führen morgen in die Sackgasse. Peter Thiel, Entwickler des Pay Pal Zahlungssystems in seinem Buch: Zero to One
Ich versuchte mein eigenes Verhalten zu reflektieren und zu rekapitulieren: Was hatte ich getan? Welche Einstellungen herrschten bei mir vor? Wie fühlte ich mich selbst dabei? Wodurch könnte ich die Teams beeinflusst haben, dass sie so Außergewöhnliches leisteten? Oder anders ausgedrückt: Wie konnte dies von selbst entstehen, denn so viel hatte ich ja nicht getan! Ich schob in den Jahren darauf alles beiseite, was ich in 20 Jahren Führung und Beratung gelernt hatte! Und: Ich war auch mit einer veränderten Haltung und andern zusätzlichen Elementen an die Veranstaltungen herangegangen.

 Wenige freiheitliche Werte und Regeln.

  • Entwicklungen laufen von selbst, wenn wir sie nicht behindern!
Hier bedeutet es, die Angst zu verlieren, dass der Prozess „aus dem Ruder läuft“ – was immer dies bedeuten mag. Es sind meist fiktive und nicht überprüfte Ängste von Führungskräften, die sich da Bahn brechen. Also unsere unproduktiven Fantasien! Viele Führungskräfte und Berater werden davon permanent geplagt und versuchen deshalb ein strenges Regelgerüst aufzubauen, welches dann dafür sorgt, dass Spontaneität und Energie unterdrückt wird.
  • Gestatten Sie es sich, Sie selbst zu sein und andern, anders zu sein! Ist in der Realisierung nicht einfach, weil wir glauben, Verhalten regulieren zu müssen. Die Wahrheit ist: Menschen regulieren meist im Übermaß selbst, üben also Selbstbeschränkung im Übermaß! Und damit reduzieren sie schon im Voraus ihre eigenen Chancen!
  • Ansonsten nutzte ich die bekannten Regeln für die jeweilige Art der Veranstaltung.
Es waren meine eigenen Werte, die ich – wie jeder – als Hintergrund meiner Arbeit nutzte. Wie sieht es aber aus, wenn Sie selbst vielleicht Angst haben, Freiheit und Offenheit für sich selbst zuzulassen? Dann werden Sie genau dies, ob Sie wollen oder nicht, kommunizieren. Wenn Sie diese Werte jedoch selbst nicht leben können, dann ist es natürlich nicht möglich, damit zu arbeiten. Es hat also keinen Sinn, uns fremde Werte als Basis unserer Arbeit zu nutzen, solange Sie selbst sich nicht in Ihrem eigenen Verhalten als weitgehend selbstbestimmt erleben. Mancher glaubt allerdings, dem nur durch Versachlichung des menschlichen Kontakts zu entgehen! Dieser Formalisierungsprozess in dem sich viele Kollegen und Führungskräfte verstricken, scheint für diese deshalb so wichtig, weil sie selbst diese Werte nicht leben können. Aber genau dadurch verliert unsere Arbeit ihre innewohnende Kraft! Es ist die Angst, die Kontrolle zu verlieren und das Überdecken dieses Unbehagens, die Formalisierung vorantreibt! Wir glauben, unsere innere Unsicherheit mit mehr Formalismus – also einem „sicheren“ Konzept entgegentreten zu müssen. Und diese Angst strahlen wir natürlich unbewusst aus, entsprechend Paul Watzlawiks: „Jede Kommunikation beinhaltet eine Sach- und eine Beziehungsebene!“ Aus diesem Grund vermied ich es auch, mit Unternehmen oder Teams zu arbeiten, die ich – aus irgendeinem Grunde – nicht mochte!

Grundlegendes Vertrauen in die Fähigkeiten der Teams

Ich habe eigentlich nie ein Team erlebt, welchem ich es nicht zugetraut hätte, dass es seine Probleme alleine lösen kann! Vielleicht hat mir diese Sicherheit es auch erspart, tatsächlich mal das Gegenteil zu erfahren? Jedenfalls habe ich immer ein unerschütterliches Vertrauen in die Fähigkeiten von Leistungsteams!

Empathie statt formales Vorgehen

Empathie – die Fähigkeit, mit zu empfinden, ist etwas was wir selbst entfalten. Am besten durch einen engen Umgang mit Menschen aber auch durch achtsamen Umgang mit uns selbst, unseren Empfindungen und Bedürfnissen. Ich habe immer Umgebungen gescheut, in denen es sehr formal zuging. Seit langem lebe ich in einer mediterranen Kultur. Schon als Kind fühlte ich mich hier wohl und dies hat sich immer wieder fortgesetzt. Und so entschloss ich mich irgendwann, da zu leben. Was ist das Charakteristische im Unterschied zu Mitteleuropa? Es sind andere Prioritäten beim Aufbau einer Beziehung. Ich selbst achte, wie die meisten Menschen in mediterranen Kulturen, zuerst darauf, eine persönliche Beziehung zu meinem Gegenüber aufzubauen, bevor ich mit ihm über Geschäftliches rede. Dies ist in Mitteleuropa meist anders. Da pflegt man eine persönliche Beziehung dann, wenn das Geschäftliche geklappt hat! Beide Herangehensweisen haben natürlich Vorteile, aber die mediterrane Art öffnet natürlich Menschen weit schneller, besonders die Mitteleuropäer, weil die es nicht so gewohnt sind. Deshalb sagten auch fast alle Teilnehmer immer bei meinen Veranstaltungen: „Wir hatten so schnell einen lockeren und angenehmen Umgang miteinander.“ Dazu benötigen Sie natürlich ein gewisses Maß an Empathiefähigkeit. Ich habe festgestellt, dass sich dafür die Arbeit mit Menschen und natürlich eine große Patchworkfamilie in der ich selber stecke sehr gut eignet mit ihren vielen unterschiedlichen Beziehungen, um dies zu lernen! Ein sehr gutes Trainingsfeld. Viele jüngere Kollegen und Chefs haben dies natürlich nicht und setzen deshalb auf Formalisierung. Natürlich treiben Sie auch die Energie  aus einem Team. Schade!

Weshalb tritt eigentlich eine Formalisierung überhaupt ein?

Was entstand in den letzten Jahrzehnten so nebenbei? Eine Formalisierung der einst so kreativen und empathischen Regeln der Moderation, die Ende der 70er Jahre entstand. Es ist vorwiegend ein Angstimpuls der Leitenden, die Kontrolle nicht zu verlieren! Genau dies scheint jetzt mit neuen kreativen Methoden, wie Open Space etc. – die natürlich Intellekt und Empathie benötigen – ebenfalls zu passieren.

Was geschieht in der Formalisierung?

Formalisierung ist immer ein Prozess des Sich-unbewusst-Machens. Und damit ein Übergehen unserer Empfindungen und Wahrnehmungen. Es macht uns ein Stück immun gegen Ängste, aber auch gegen Spaß und Energie! Aber das Schlimmste: Es macht uns immun gegen das Leben und seine Veränderungen! Dadurch wird eine Erfahrung instrumentalisiert, weil wir glauben, wir können sie wiederholen und damit die Erfolge der Vergangenheit! Wir versuchen die empathische, mitempfindende emotionale Seite verstandesmäßig zu behandeln. Es ist wie der Unterschied zwischen einem flatternden Schmetterling in seiner Pracht und Schönheit und einem solchen mit einer Nadel aufgespießt hinter Glas. Damit geht natürlich eines raus: das persönliche Empfinden! Und damit auch die Energie! In Unternehmen gibt es dann keine Veränderungen mehr – was natürlich ist – sondern Change Programme – aha! Achten Sie mal, wie in Ihrem Unternehmen mit Begriffen umgegangen wird! Je weiter weg wir uns da von dem Kontakt mit Mitarbeitern und Kunden bewegen, desto mehr Begriffe, Programme, neue „Philosophien“ eine Rolle spielen und sich immer schneller abwechseln, als desto abgehobener werden die Aktivitäten im Unternehmen empfunden. Übermäßiges Gebrauchen von Begriffen, je mehr Gerlish, desto mehr begünstigt diese Sprache den Verstand, Formalisierung, überbordender Gebrauch von Fremdworten. Demgegenüber begünstigt eine anschauliche, einfache Sprache im Unternehmen, ein guter persönlicher Umgang die empathische Seite unseres Lebens und Arbeitens. So einfach ist das!  In einigen Unternehmen gibt es auch Parallelen zwischen dem kaum vorhandenen Erfolg und der Versachlichung! Je mehr Versachlichung und schwurbelige Begriffe, desto weniger Erfolg! Herzlichst Ihr Bernd Hofmann

Kategorie: Führung | 26.02.2015

Mit diesen drei Fragen können Sie besser führen

Besser führen will wohl jede Führungskraft. Es gibt sehr viele gute und sehr gute Führungskräfte-Programme, angefangen von eintägigen Workshops bis hin zu Führungskräfteentwicklungsprogrammen in Unternehmen. In diesem Vortrag auf TED Talk teilt Roselinde Torres aus ihren 25 Jahren Erfahrung mit Führungskräfteentwicklung drei einfache, aber entscheidende Fragen, die sich zukünftige Führungskräfte stellen müssen, um voran zu kommen.

TED Talk: What it takes to be a good leader

Kategorie: Führung | 19.01.2015

Führung als kreativer Akt

Ist Führung, das Leben selbst ein Problem, welches wir lösen müssen?  
Es hat keinen Sinn, aufzuhören, solange man in der Lage ist, voran zu gehen. Man muss sich immer wieder neu erfinden, neue Richtungen einschlagen. Robert Redford, 78
Die Nachrichten sind voll davon: Irgendwelche Unfälle, Taifune, Probleme, politische Verwicklungen, Probleme bei der Bahn, bei BER oder Air Berlin, neue Krankheiten etc. etc. Als ob es nichts anderes gäbe als das! Die vielen Milliarden positiver Leistungen, die unzähligen Innovationen und Hilfen, die Menschen Tag für Tag für andere und ihre Familien vollbringen, existieren in solchen Sendungen kaum. Absurd, dass irgendein tragischer Unfall soviel unserer Zeit dominiert! Merken Sie, welches verzerrte Bild der Wirklichkeit sich da zeigt? Es ist eine beliebte Realität, die uns als Opfer sieht. Ebenso unsere Filmwelt, in der Unfälle, Katastrophen und Straftaten dominieren. Oder auf der anderen Seite die Werbung: Nehmen Sie dies oder das Mittel, damit das Problem nicht auftritt, am besten zweimal am Tag. An solcher Reklame ist nichts falsch. Für manche Anwendungen ist sie eine gute Idee. Werbung für eine Einbruchsicherung, gut. Für manchen sicher sinnvoll. Die Denkweise dahinter kann jedoch ein wirkliches Hindernis werden, wenn sie vorherrschend wird. Der erste Ausgangspunkt einer solchen Sicht ist immer folgende Philosophie: Leben – und damit Führung – beinhaltet eine Menge Probleme, welche du lösen musst! Leben ist überhaupt ein Problem! Meine Frage ist da grundsätzlich: Wie sehen Sie Ihr eigenes? Als eine Serie von Pannen und Katastrophen, die Sie lösen müssen oder als einen kreativen Akt, bei dem Sie das erschaffen, was Sie möchten? Dies sieht zu Beginn ganz ähnlich aus, jedoch führt diese Veränderung unseres Blickwinkels allmählich zu einer gewaltigen Veränderung in der eigenen Haltung und den Ergebnissen. In der ersten versuchen Sie, permanent Probleme die anstehen, zu lösen. Sie reagieren auf Schmerz, auf Druck – so wie angeblich viele Menschen. Und Sie versuchen immer wieder schmerzfrei zu werden, wenn notwendig mit Pülverchen und Ratschlägen. Und dann lehnen Sie sich zurück und warten auf das nächste Problem. Schon dies signalisiert eine Haltung des Ertragenden, des Leidtragenden. Es ist jemand, der für sein Leben keine eigene Verantwortung übernehmen möchte. In einer zweiten Sichtweise agieren Sie, machen Pläne und handeln, um zu Ihrem Ziel zu kommen. Auf diesem Wege lernen und verlernen Sie viel. Machen natürlich viele Fehler und packen Situationen immer wieder anders an. Es gibt tolle Zufälle und überraschende Schwierigkeiten. Und wenn Sie offen sind, dann lernen Sie eine Menge und jeder Tag wird ein Abenteuer! Sie haben zusehends den Eindruck, dass Sie alles weiterbringt, sogar Ihre Schwierigkeiten und eine unerklärliche Beschwingtheit macht sich allmählich breit! Nach und nach entwickeln sich Ihre Träume zu realen Projekten und Ergebnissen. Siehe da mit vielen Überraschungen! Allmählich wird Ihr Leben etwas, was Sie lieben und verliert zusehends den Charakter des Hamsterrades – immer ein Anzeichen für Unbewusstheit und Denkfallen. Und Sie haben Erfolg, mit vielen Zufällen und erstaunlichen Ereignissen! Selbst riesige Probleme zeigen sich im Nachhinein als Chance oder Situationen, aus denen Sie besonders viel gelernt haben! Die meisten Erfolgreichen sagen fast alle rückblickend etwa das Gleiche: „Ich hätte nie geglaubt, dass ich diesen Erfolg erreiche!“ (Wenn man es von der üblichen rationalen Denke aus sieht.) Was ist der Unterschied? In der ersten Haltung definieren Sie sich als Opfer, als Gegenstand der sich verbraucht. Der herumgeschubst wird. Dessen Uhr unerbittlich abläuft, wie ein Kilometerzähler. Etwa wie eine Maschine, die irgendwann gestartet, immer wieder Probleme bekommt, um dann schließlich nutzlos abgestellt zu werden. „Ach, die Zeit geht so schnell rum!“ – immer ein Anzeichen von Unbewusstheit! Eine große Chance, etwas auszurichten, zu verändern haben Sie in solch einem Weltbild nicht. Sie sorgen einfach dafür, dass immer genügend Öl in der Maschine ist und Ersatzteile ausgetauscht werden, damit „es“ läuft. Spaßig? Lebendig? In der zweiten Sicht haben Sie ein Anliegen. Wenn Sie Ihres zulassen, dann will irgendetwas da raus aus Ihnen. Wünsche, „verrückte“ Ideen, zunächst Unverstandenes. Manchmal setzt Sie das gewaltig unter Druck und Sie wissen nicht genau, was los ist und wo das hin will. Sie geben dem Raum, lassen auch sonderbare Wege zu. Nach und nach vertrauen Sie diesem inneren Druck und akzeptieren ihn allmählich als instinktive und intuitive Lenkung Ihres inneren Beobachters. Ihr Ziel wird allmählich Gewissheit. Und irgendwie gestaltet sich da nach einiger Zeit etwas, das Ihren Wünschen sehr nahe kommt, vielleicht auf ganz anderen Wegen als geplant… Sie finden Ihren ganz eigenen unverwechselbaren Stil, Ihr eigenes Produkt, Ihren ganz persönlichen Selbstausdruck, schaffen Ihren ganz persönlichen Erfolg. Viele bewundern Sie plötzlich, dabei haben Sie – von sich aus gesehen – eigentlich nichts Besonderes getan. Nur Ihren Ideen und Bedürfnissen nachgegangen, jedoch dies konsequent. Warum tut dies eigentlich nicht jeder?
Ein Bild ist dann fertig, wenn es gut ist! Gerhard Richter, bekanntester und wohlhabender deutscher Maler zu seinen Bildern
Wer andererseits den Weg des Lösens von Problemen konsequent geht, bekommt irgendwann eine wichtige Lebenserfahrung geschenkt: Wir können alle lösen und doch haben wir nicht das erreicht, was wir wollten! So die Einsicht eines sehr „erfolgreichen“ Unternehmers, den ich kenne, der diese Erkenntnis mit 67 Jahren hatte! Er hatte die Firma übernommen, sie groß gemacht, viel Geld verdient – weil seine Eltern dies wollten – er jedoch „eigentlich“ nicht. Schließlich verkaufte er das Unternehmen und tat das mit seinem Geld, was er eigentlich damit vorhatte, endlich! Aber: Er hatte es nie geschafft, sich aus einer unglücklichen Beziehung zu lösen – wegen der Konventionen. Wir können alles wasserdicht, einbruchsicher, luftdicht machen, brav an unseren Beziehungen basteln, die Kids aufziehen und überwachen, unsere Lebensversicherung pünktlich bezahlen, nur wo ist das persönliche Wohlbefinden? Stellt es sich dann ein? Macht Sie das glücklich, fühlen Sie sich dann erfüllt? Bei aller Kritik an unserer Zeit, an unserer Gesellschaft, an der Politik, die auch angemessen sein mag, die uns dabei hilft, Situationen immer wieder in Frage zu stellen und zu verbessern, sagt dies nichts über die gefühlte Qualität unseres Lebens aus. Unsere Lebensumstände haben sich – vor allem in den letzten 60 Jahren – erheblich verbessert, jedoch die allgemeine Zufriedenheit in Westdeutschland seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts nicht! „Schließlich gibt uns unsere Gesellschaft einen Rahmen, in dem wir alles verwirklichen können, was uns wichtig ist,“ so Khadra Sufi, eine deutsche Moderatorin somalischer Herkunft. Komisch – offenbar haben dies viele noch nicht bemerkt! Nein, ich bin nicht gegen Fortschritt und schon gar nicht gegen moderne Annehmlichkeiten – so es denn Fortschritte sind! Haben Sie sich mal überlegt, ob Sie gerne in einer Zeit – sagen wir vor 200 Jahren leben wollten, in der Zeit der napoleonischen Befreiungskriege, mit deren Möglichkeiten und Beschränkungen? Wie schön, herrlich, wunderbar und erstaunlich ist da doch ein Kühlschrank, aus dem ein kaltes Bier am Abend kommt – oder? Aber diese Untersuchungen zeigen auch, dass die Zufriedenheit nicht weiter wächst mit stetig steigendem Einkommen! Dazu gehört eine veränderte innere Haltung, dass Sie der Schöpfer und Gestalter Ihrer eigenen Wirklichkeit sind. Und diese Haltung schafft natürlich auch die Welt, in der Sie leben! Was ist unsere Welt wirklich? Eine Maschine, ganz logisch, kühl und simpel wie ein Fahrrad, das Finanzamt, ein Automotor oder wirbelnde, unberechenbare  Energie wie das Wetter, die Börse, der Markt oder die Quantenphysik? Ganz einfach, die Welt ist da so nett, dass sie sich streng an Ihren Vorstellungen und natürlich auch Befürchtungen orientiert. Sie haben nicht nur die Freiheit zu wählen, was Sie sein oder tun wollen und welchen Job Sie machen, nein. Sie haben auch die Freiheit in der Welt zu leben, die Sie mögen, da Sie es selbst sind, der diese jede Sekunde, jeden Tag mit Ihrer Wahrnehmung aufbaut. Sie müssen sich nur entscheiden, was Sie als Ihre eigene ganz persönliche Sichtweise zulassen. Das ist alles. Und dann passiert genau das, was Ihre Welt so hergibt… Ihre Visionen – und Befürchtungen – realisieren sich. Ihr Erfolg als Chefin, Kreative, Geliebte oder Mutter wird deutlich, je klarer Sie in Ihren inneren Bildern sind. Und was immer Sie noch für spinnerte, abgedrehte oder enorm praktische Ideen realisieren wollen, die Ihnen Freude machen… Ja genau diese brauchen wir, genau das braucht unsere Gesellschaft! Und nicht stromlinienförmige Angepasste! Eigentlich gibt es die „Welt da draußen“ gar nicht, es sind Sie, der da in einen Spiegel schaut… Und was da in Ihnen ist, sehen Sie manchmal mit einer kleinen Zeitverzögerung sich dort draußen entwickeln. Bestenfalls können wir die Welt – in Anlehnung an die Quantenphysik – als Möglichkeitsraum sehen, bei dem es auf unseren Blickwinkel entscheidend ankommt. Dies sind allerdings Weltbilder, die im Mainstream noch nicht angekommen sind, dafür jedoch bei vielen Jugendlichen. Sie spielen schon lange Abenteuerspiele am Computer, die ein wunderbares Abbild der Quantenwelt sind. Es gibt verschiedene Ebenen mit unterschiedlichen Gesetzen, der Ereignishorizont ist in uns, die Welt kommt auf uns zu, anstatt wir zu ihr, wir können immer wieder neu wählen, wohin wir gehen wollen und wenn der Computer aus ist, dann verschwindet die spannende Illusion. Und wir können ihn ja immer wieder anmachen und ein neues Spielchen spielen… In einer ganz anderen Welt! Schauen Sie mal Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter dabei über die Schulter, Sie können sicher was lernen!
Subjekt und Objekt sind nur eines. Man kann nicht sagen, die Schranke zwischen ihnen sei unter dem Ansturm neuester physikalischer Erfahrungen ausgefallen; denn diese Schranke gibt es überhaupt nicht! Erwin Schrödinger, Quantenphysiker in: <Geist und Materie> zur Sichtweise unserer Welt
Diesen Fragen sollten Sie sich stellen:
  • Was wollen Sie gestalten?
  • Wo ist Ihre Liebe? Ihre Leidenschaft? Was macht Ihnen wirklich Freude?
  • Wie weit sind Sie mit Ihren Lebensprojekten? Oder haben Sie Ihre „Träume“ schon aufgegeben und/ oder „realistisch“ umgearbeitet?
  • Wo wollen Sie – einen Unterschied machen?
Derjenige, den Sie wirklich ernst nehmen sollten, sind Sie selbst, mit allem, was dazugehört: Ihren Interessen, Fähigkeiten, Hobbys, Leidenschaften, Spinnereien und Idiotien. Wenn Sie sich wirklich respektieren, dann geschieht ein Wunder! Sie beginnen, alle andern ebenfalls zu respektieren! Na so was! Der Weg zur Nächstenliebe führt also über die Selbstannahme – wer hätte das gedacht? Wenn Sie Ihren Pfad konsequent gehen, dann bekommen Sie nicht nur Achtung vor sich, sondern auch Respekt vor allen anderen! Das nennen wir dann etwas hochtrabend Selbstverantwortung und Verantwortung für andere. Und – trauen Sie sich! Es ist letztendlich einfach, aber vielleicht nicht immer leicht, wenn Sie sich nach Ihrem inneren Kompass richten! Herzlichst Ihr Bernd Hofmann

Kategorie: Führung | 03.11.2014

Führung mit Verstand – Die Rolle unseres Überlebenscomputers…

… und seine Grenzen in unserer beschleunigten Welt

Weshalb geraten Menschen wegen einer schnellen Entwicklung eigentlich immer wieder in Panik? Auch heute unter unseren nahezu optimalen Bedingungen? Es ist offenbar eine permanente Überforderung eines Instrumentes unseres Denkens, welches uns half, in den letzten drei Jahrhunderten so viele Veränderungen in unserer Welt zu gestalten, das jedoch auch mit verantwortlich für unser individuelles und kollektives Versagen ist, mit unserer komplexen Welt klarzukommen: Es ist unser Verstand. Verstandesorientiertes Denken war über Jahrhunderte erfolgreich gewesen. Seit der Renaissance und den Entdeckungen haben Menschen zunehmend bewusster die Welt wahrgenommen und verändert. In der Wirtschaft haben kreative Unternehmer damit riesige Unternehmen geschaffen. Die ganze Welt wächst durch die Technik, den Handel immer mehr zusammen. Es entsteht ein weltweiter Basar. Vielfältig, kreativ und natürlich unübersehbar. Das kann Angst machen. Wir haben den Eindruck, unser kalkulierender innerer Computer reicht zur Steuerung nicht mehr aus. Was nun? Saßen Sie schon mal am Steuer eines sehr schnellen Fahrzeuges? Eines Porsche, Ferrari oder etwas ähnlichem? Wie eng da plötzlich die Kurven auf einer Autobahn ab 250 km/h aufwärts werden! Ach – schon da? Das kann Spaß machen, aber natürlich auch Angst einflößen. Verständlich – aber – wer hat da Angst – vor was? Kontrollverlust? Angst vor der eigenen Raserei? Angst davor, dass irgendetwas in uns entfesselt wird, was wir nicht mehr kontrollieren können? Angst, die Übersicht zu verlieren? Wahrscheinlich alles zusammen! Wer oder was ist denn das, was Angst hat? Es ist unser Verstand und die daraus resultierenden Gefühle fühlen wir dann. Vielleicht ist das der Hauptgrund für das von vielen Menschen heute instinktiv empfundene Bedürfnis nach persönlicher Entwicklung? Inzwischen ist dieses massiv geworden und im Mainstream angekommen. Unternehmen bieten für Mitarbeiter Beratung und Seminare dazu an: Stressbewältigung, Meditation, Rückenschule, Pilates etc. Wunsch nach innerem Wachstum? Eine gefühlte Distanz zur Welt, die wir gerne überbrücken wollen? Weil wir spüren, wie unsere aktuellen Fragen nicht mit traditionellen Mitteln gelöst werden können? Weil wir unseren inneren Überlebenscomputer anders programmieren müssen, um die komplexen Fragen zu klären, in denen wir uns befinden? Individuelle Bewusstwerdung ist als Stressvorsorge sehr wichtig geworden. Aber wie sieht es bei der Führung aus? Wie können wir da erfolgreicher und mit weniger Stress führen? Ein entscheidender Vorteil des kalkulierenden Verstandes ist die Voraussicht, die Planung. Aber: Die innere Vorwegnahme der Zukunft – ist sie eigentlich notwendig oder überhaupt machbar in unserer Basarwelt? 1. Planungsprozesse nehmen in vielen Unternehmen großen – und vor allem zeitlich belastenden – Raum ein! Aber: Wir brauchen nicht im Voraus zu wissen, was sich genau entfaltet! Die Entwicklung der Gesellschaft steuert sich – überraschend – von alleine! Die wichtigsten kreativen Veränderungen unserer Kultur kamen spontan von Einzelnen oder kreativen Teams, die es wagten, ihre eigenen Wege abseits der anderen zu gehen! Der Mainstream war immer zuerst dagegen! Und es gibt in vielen Feldern heute unzählige Menschen, die jeden Tag Neues mit großem Erfolg entwickeln! Beispielsweise sind es Lithiumbatterien aus Computern, die den Tesla S antreiben, weil die Automobilindustrie schon lange Entwicklungen mit herkömmlichen Batterien blockiert hatte, um ihre eigenen, traditionellen Fahrzeuge abzusetzen. 2. Wie entstehen neue Erfolge? Es sind Menschen, die sich aus völlig unterschiedlichen Gründen in eine spezielle Situation, eine Aufgabe, ein Problem eingefühlt haben und entsprechend darauf ge-antwortet haben mit einer persönlich gefühlten freiwilligen Ver-antwortung! Übrigens: Noch nie wurden mehr Entdeckungen oder Erfindungen deshalb getätigt, weil sie staatlich gefördert wurden! Oder haben sich erst deshalb durchgesetzt! Dies ist ein großer Irrtum unserer Kultur! Die meisten Förderprogramme solcher Entwicklungen sind deshalb rausgeworfenes Geld! Und belasten alle Menschen unnötig durch Folgekosten. Das sehen wir auch an den Folgen des EEG. Das Einzige, was es braucht, ist eine offene Kultur und Gesellschaft, in der Entwicklungen von allein besser laufen können! 3. Der Grund, warum Zukunftsprognose meistens nicht klappt, ist nicht nur unser begrenztes Vorstellungsvermögen alternativer Möglichkeiten. Es ist vor allem unsere mangelnde Fähigkeit der Empathie, des Einfühlens und sich tragen Lassens durch uns selbst oder eine Situation. Wir achten auf unsere Vor-stellungen, jedoch nicht auf das, was sich um uns selbst gestaltet. Vorstellungen verstellen das, was sich uns da von allein zur Verfügung stellt. Sich Entwicklungen, die offensichtlich kommen, einfach aussetzen und mit gestalten, genügt uns nicht. Widerstand gegen das, was sowieso entsteht, lässt uns die Zukunft nicht angemessen antizipieren. Wenn wir über etwas nachdenken – also im Verstand sind – bedeutet das Distanz. Sich einfühlen in das, was kommt, Nähe. Denn wenn Sie Nähe spüren, dann spüren Sie auch das, was sich da tut genau! Ganz praktisch: Ein interessierter Verkäufer erlebt eben eine andere Wirklichkeit in seinem Shop, über die mancher Verkaufsleiter nur reden kann! 4. Unser Verstand, unsere gewachsenen Instinkte selbst, sind zur Lösung unserer Probleme nicht ausreichend. Mag er früher in den überschaubaren Stammesgesellschaften noch sinnvoll funktioniert haben, später Imperien und Wissenschaft aufgebaut haben, wo es auf Konstanz und Verlässlichkeit ankam. In unserer modernen Welt ist er schlicht permanent überfordert. Das können wir jeden Tag beobachten. Die ständigen Wiederholungen unserer Wirtschaftsführer und Politiker im Spiel der Macht, die Lächerlichkeit der Posen, Gesten der unendlichen Manipulationsversuche, die absurden Wiederholungen des urzeitlichen Dominanzspieles werden immer wirkungsloser und von der Realität schnell überholt. Die einfachen Wirkungsketten, mit denen diese Instinkte arbeiten, sind kein Bild mehr unserer Welt draußen, in der alles komplex und für den Verstand unübersichtlich wurde. 5. Wie faszinierend ist es, auf einer bis zu zehnspurigen Straße zu fahren – also 20 insgesamt! Sie haben ständig zwei bis sechs Reihen sich bewegender Fahrzeuge neben sich! Es gibt  eine – im Vergleich mit der Zahl der Fahrzeuge – verschwindend geringe Zahl von Unfällen. Der Selbstorganisationseffekt bei Veränderungen, Spurwechseln, Verlangsamungen ist gewaltig! Ebenso die gegenseitige Achtsamkeit. Genauso faszinierend ist es, wenn Milliarden Menschen am Fernsehen bestimmte interessante Ereignisse verfolgen! Da kommt schnell das Empfinden auf, wie stark wir doch zusammengehören und welche tägliche Leistung allein durch Selbstorganisation entsteht. 6. Überschaubarkeit – ein häufiger Wunsch von Führungskräften und Politikern. Und genau da ist das Problem. Können wir diese überhaupt erreichen? Und wozu ist sie uns so wichtig? Was haben wir wirklich davon? Ach so, wegen der Planungsrituale! Sind diese nur eine Fiktion? Erleichtert der Überblick wirklich die Führung? In vielen Unternehmen hat man da gewaltig reduziert oder die Zeit fressenden Aktivitäten ganz abgeschafft. Ein grober Überblick genügt uns, sagen die Verantwortlichen. Offenbar scheint unsere – für manche Menschen unbegreifliche Erfahrung – Folgendes zu sein: Wie kann eine komplexe, unüberschaubare Gesellschaft wie unsere Zivilisation oder auch ein großes Unternehmen überhaupt fast von alleine funktionieren? Unser größtes Problem bei dieser Frage ist, dass sie genau das tut. Und meist ganz von selbst. Kaum für den Verstand verstehbar. Denn der ist nur eine komplexe Rechenmaschine und damit Teil des Prozesses einer trennenden Betrachtung. Wenn wir diese Distanz haben, sind wir nur noch mit unseren Bildern beschäftigt, jedoch nicht mehr mit dem verbunden, was geschieht. Aber: Wir müssen auch nicht ständig darüber reflektieren, was geschieht! Der Verstand trägt eh nur einen kleinen Teil zum Erfolg bei! Gerade bei den Aktionen der Verantwortlichen. Da überschätzen sich Politiker, Führungskräfte, Intellektuelle maßlos. Es genügt, ein Bild der zu schaffenden Zukunft zu haben und empathisch dem Weg zu folgen, der sich uns auftut. Und der ist nicht geradlinig. Meist sogar ziemlich verrückt und widersinnig, führt aber trotzdem zum Ziel. Die Zukunft ist nichts Verborgenes, was sich allmählich enthüllt. Sie ist eher etwas, was Menschen innerlich als relevant erkennen und verwirklichen wollen. Die Folge: Zukunft entfaltet sich von selbst, wenn wir unserer inneren Orientierung dabei folgen. Schon die Fragestellung „Wie können wir Entwicklungen steuern?“ ist falsch. Es funktioniert alles auch so! Vielleicht ist dies die größte Lektion, die wir lernen müssen: Es entwickelt sich alles auch so gut von alleine – vorausgesetzt, wir geben dem Neuen Raum, öffnen den Raum für Selbstentwicklung und schwimmen empathisch mit! Dies gilt für Gesellschaften, Unternehmen und Teams. Die Frage, wie wir Entwicklungen steuern können, ist schon falsch. Es ist eher umgekehrt: Entwicklungen steuern uns. Für viele Chefs eine schwere Lektion, dass Firmen nicht wegen, sondern trotz der Führung laufen! Fast die schwerste, obwohl das Ergebnis doch so positiv ist: Sie könnten endlich loslassen! Zu einer sich selbst organisierenden Arbeitswelt passt eben auch ein Führungsstil, der selbstorganisierend ist. Mehr Raum lässt. Dies bedeutet auch, sich selbst mehr Raum geben… Die Lösung für mangelnde Überschaubarkeit ist die Offenheit, sich selbst gegenüber sowie eine Beteiligung der Mitarbeiter mit den neuen Methoden wie Open Space etc., also eine Abgabe der Verantwortung für die Leistungserbringung an diejenigen, die das sowieso leisten. Viele Menschen haben dies längst durchschaut. Sie empfinden ein Unbehagen an den noch geläufigen Sichtweisen, suchen nach pragmatischen Lösungen für sich selbst und für die Bereiche ihrer gewählten Verantwortung: die Entwicklung des persönlichen Bewusstseins. Auf ganz andere Weise als von Freud in seinem „Unbehagen in der Kultur“ beschrieben. Und sie suchen Lösungen: Im persönlichen Engagement in Methoden, die Geist, Gefühle und Körper besser integrieren, dadurch ihr persönliches Stressniveau verringern, das individuelle Glücksniveau erhöhen. Aber auch in Gruppenmethoden wie Open Space und ähnlichen, die Selbstorganisation als zentrales Organisationselement enthalten. Alles, damit wir besser mit unseren Empfindungen mitgehen können und mehr Freude und Spaß in Job und Leben empfinden. Achten Sie darauf als Chef! Und viel Freude und Offenheit für Ihre Erfolge, die Ihnen zu-fallen werden! Herzlichst Ihr Bernd Hofmann

Kategorie: Führung | 08.09.2014

Brauchen wir Führung – Teil 3

Lesen Sie auch Teil 1 und Teil 2 dieser Serie!

Zeitgemäße Werte

Menschen lieben Freiheit und fürchten sie.

Matthias Horx

Viele Chefs tun sich schwer mit liberalen Werten, die heute unsere Gesellschaft prägen und einer entsprechenden Führung. Manchmal habe ich den Eindruck, dass es unter dem Druck der Globalisierung schlimmer wurde. Warum eigentlich?

Liberale Werte, eine grundlegende Toleranz, sind eine Voraussetzung, um in unserer globalisierten Welt Unternehmen erfolgreich zu führen. Sie sind ein Ausdruck des Treffens unterschiedlicher Regionen und Kulturen auf dem Weltbasar. Gäbe es diese liberalen Werte nicht, dann könnte das nicht geschehen, was auf unserem Planeten heute stattfindet! Gut, es gab lange Zeiten des Mangels. Daraus ist dieses Misstrauen vieler Führungskräfte verständlich. Auch Thomas Mann hat dies in seinen <Buddenbrooks> historisch bearbeitet! Doch diese Zeiten werden bald überwunden sein und ein Standard wie in Europa mit seinen Unterschieden wird in weniger als dreißig Jahren Weltstandard werden! Dies zeigen wirtschaftliche Daten, auch wenn viele dies anhand der aktuellen Nachrichten nicht glauben mögen!

Das bringt natürlich viel gegenseitige Anpassung mit sich. Das Andere, Fremde annehmen. Sich selbst und andere zu akzeptieren, wie wir oder sie sind, ist die grundlegende Voraussetzung dafür. Frei sein von der Vorstellung, dass die eigene Kultur einer anderen überlegen, besser sein könnte! Für viele nicht einfach! Sich selbstbestimmt fühlen, scheint von Menschen, die sich an eine Selbstdisziplin gewöhnt haben, als Gefahr für die persönliche Leistung angesehen zu werden! Selbstbestimmtheit scheint ein Gegensatz von Leistungsorientierung zu sein. Nichts ist falscher als dies! Ich habe mich lange gefragt, wie so eine Meinung überhaupt entstehen kann. Offenbar aus einem Weltbild heraus, dass es Kräfte in uns zu beherrschen gilt, sich zu disziplinieren. Warum?

Weil wir offenbar uns selbst nicht vertrauen. Eine tiefe persönliche Zerrissenheit vieler Menschen kommt hier zum Ausdruck. Es ist die Angst, die Kontrolle zu verlieren. Oder besser: unser Verstand produziert diese Angst, denn die Kontrolle hatten wir sowieso noch nie. Wenn dann über höchst marginale Dinge. Kontrolle hört schon im eigenen Körper, bei vielen unserer Bedürfnisse, in der eigenen Familie, bei den eigenen Kindern auf, die erwachsen werden. Und die wollen Sie im Unternehmen haben? Welche Fiktion! Welche Illusion und Naivität! Was Sie tun können, ist vorhandene Kräfte so lenken, dass diese ein Ergebnis hervorbringen. Und dies schaffen Sie dann, wenn Sie die Individualität aller Menschen anerkennen und die Selbstorganisationskräfte in Ihrem Teams aktivieren können.

Das bedeutet auch, alles in sich zulassen zu können, was sich da zeigt. Sich selbst akzeptieren. Alle Seiten von sich. Nicht einfach aber notwendig. Wer vor sich selbst, vor den eigenen inneren Impulsen keine Angst hat, kann auch mit der Andersartigkeit von andern umgehen! Dies ist ohne eine grundlegende Erfahrung der Einheit mit allem, wie sie im Selbstgewahrsein, in vielen meditativen Erfahrungen stattfindet, kaum zu schaffen. Ganz persönliche innere Verbundenheit wird somit eine Voraussetzung nicht nur für Erfolg sondern auch für die Bewältigung des Alltagsstresses von Führungskräften.

Dazu kommt die wachsende Unüberschaubarkeit unserer Welt, des Marktes. Die konstant neue Herausforderung wechselnder Kundenbedürfnisse. Eine Situation, die mit unserem Verstand nicht zu lösen ist, sondern eher mit Empathie! Alle Erfolgreichen hatten und haben dies! Manchmal habe ich den Eindruck bei vielen Führungskräften geht genau das verloren. Und dann beginnt der Kampf! Da spielen alle möglichen strategischen Überlegungen, viele Details eine Rolle. In manchen Unternehmen geht dabei das Wesentliche verloren: der Kunde, und schließlich man selbst.

Wo liegen die wichtigen Fragen zukunftsorientierter Führung?

  1. Viele wissen nach so vielen Jahren einfach nicht, wie man gute Leute binden kann. da fehlt es an Stil und Fingerspitzengefühl. Mitarbeiter sind die wichtigste Zielgruppe! Das sagte vor einiger Zeit auch Götz Werner von dm Markt. Wenn 61 % aller Führungskräfte laut einer 2011 erschienenen Studie des Herrnstein Instituts glauben, dass Motivation die wichtigste Aufgabe von Führungskräften ist, dann frage ich mich, ob die Erkenntnisse von Reinhard Sprenger seit 20 Jahren und die von Gerald Hüther seit 10 Jahren immer noch nicht bei vielen Führungskräften angekommen sind. Gerade hatte ich mit einer Kundin, engagierte Mitarbeiterin einer HR Abteilung darüber ein interessantes Gespräch. Das Wichtigste ist Empathie in der Führung! All die vielen Skills und Methoden die da sonst trainiert werden, sind eigentlich wenig interessant für Praktiker. Derjenige, der sie braucht, eignet sie sich nebenbei an.
  2. Die Machtfrage. Nicht unerheblich. Es ist die eigene Wichtigkeit, die bei vielen Führungskräften im Vordergrund steht. Und die erzeugt in vielen Unternehmen Stress und Ineffizienz. Der irrige Glaube, dass es ohne die eigene Intervention nicht geht. Solange Führung mit Macht direkt verbunden wird und nicht mit einer Chance, Potentiale zu entfesseln, blockieren diese Menschen sich selbst und andere.
  3. Die finanzielle und ideelle Beteiligung am Unternehmenserfolg entweder in Anteilen, Aktien oder besonderen Betriebsrenten, eine gute Bezahlung, sowie verschiedene Leistungen durch eigene gemeinnützige Organisationen oder Stiftungen, Investitionen in Kunst und Kultur oder gemeinnütziges Engagement von Mitarbeitern. Da existieren in einigen Unternehmen bereits hervorragende Programme!
  4. Konstanz, Qualität und ethische Verantwortung, heute Nachhaltigkeit bezüglich der Produkte, der Lieferanten. Gerade Unternehmen, die hier Besonderes leisten, wie viele Hidden Champions, die weltweit Erfolge feiern. Denken Sie nur an die Großen wie Liebherr oder Knauf, die in den meisten Ländern der Welt aktiv sind! Oder die vielen kleinen mittelständischen Betriebe mit relativ wenigen Mitarbeitern, die weltweit qualitativ hochwertige Produkte anbieten, jedoch nur Insidern bekannt sind!

 

Zum Schluss noch ein Zitat und eine Beschreibung eines Initiators, eines ganz Großen der deutschen Wirtschaft. Wenn auch in einer anderen Zeit groß geworden, mit anderen Werten, sind dessen unternehmerische und soziale Leistungen heute noch Vorbild für viele.

„Wenn wir Lidl nicht gehabt hätten, wären wir eingeschlafen!“ Wenn der neben seinem vor vier Jahren verstorbenen Bruder Theo zweite Gründer des Aldi-Imperiums erzählte, wie an diesem Tag, offenbarte er sich als Antityp einer nach außen gekehrten Machtfigur. Er sprach leise, hörte aufmerksam zu, war feinsinnig und trotz seines hohen Alters wach und interessiert. Er war sichtlich ein Mensch, der Frieden mit sich und der Welt geschlossen hatte, der heiter und dennoch, selbst wenn es merkwürdig klingt, mit einer gewissen Bescheidenheit auf das Aufgebaute schaute. „Ich habe Glück gehabt, sehr viel Glück“, sagte Albrecht immer wieder. Und es war ihm anzumerken, dass er es nicht als Floskel in den Raum warf.

Aus einem der wenigen Gespräche mit dem kürzlich verstorbenen Karl Albrecht, Mitbegründer von ALDI, einem der reichsten Deutschen, in der FAZ vom 21.7.2014 veröffentlicht.

Schöne und angenehme Sommertage!
Ihr Bernd Hofmann

Kategorie: Führung | 01.09.2014

Brauchen wir Führung – Teil 2

Wir haben Hierarchien, aber nur solange das Projekt läuft.

Detlev Lohmann, Chef eines mittelständischen, schwäbischen Unternehmens

1. Initiatoren und Führungskräfte. Initiatoren nenne ich Menschen, die neue Ideen, Konzepte, Projekte, Produkte umsetzen, die es bisher noch nicht gab. Diese müssen nicht unbedingt hohe Führungsqualitäten haben – denken Sie an Steve Jobs, der zu Beginn keine gute Führungskraft war! Und es braucht Menschen, die sich diesen Ideen und Visionen konkret zur Verfügung stellen.

Nach den Untersuchungen von Jim Collins: „Der Weg zu den Besten“ und „Oben bleiben immer“ sind die wichtigsten und dauerhaft besten Führungskräfte häufig ganz unauffällige Menschen, die auch nicht viel Aufhebens um ihre Person machen. Sie machen einfach ihren Job, der ihnen auch offenbar viel Freude bereitet! Dies wirkt sich offenbar positiv auf die Mitarbeiter aus! Was spricht also dagegen solche Menschen durch die Gruppe wählen zu lassen? Könnte es sogar sein, dass genau diese Scheu, diese Zurückhaltung die Erfolge hervorbringt?

Jedes Unternehmen braucht offenbar – wenige – Initiatoren, Menschen die wirklich etwas Neues einbringen, neue Standards setzen wie zum Beispiel Elon Musk von Tesla Patente für Elektroautos freigab, um einen größeren Markt zu schaffen auch für die eigenen Fahrzeuge. Initiatoren schaffen völlig neue Bedingungen und es braucht offenbar wenige, um in einem Unternehmen neue Möglichkeiten zu schaffen. Oder die beiden Google Gründer, die den Part der Initiatoren noch dadurch betonen, dass sie einen Manager von Außen – Eric Schmidt – einstellten, der ihnen die organisatorischen Komponenten abnimmt. Gute Führungskräfte halten also nicht nur Dinge am Laufen. Wenn Sie Initiatoren sind, dann schaffen Sie auch Neues, gehen neue Wege.

2. Führung entsteht spontan, wenn sie in einem System benötigt wird und es dadurch besser überleben kann, verschwindet auch wieder, wenn sie nicht gebraucht wird. Unternehmen führen sich selbst, wenn wir dies zulassen können! Es ist die Selbststeuerung des Unternehmens, die bestimmte Personen an die Oberfläche spült – wenn Raum dafür entstehen kann! Wir müssen also prüfen, warum diese Selbstorganisation der Führung in vielen Fällen nicht oder kaum entstehen kann!

Wenn klassische (theoretische) Führungsmodelle die komplexen Prozesse in der Wirtschaft und in der Gesellschaft nicht mehr unterstützen, braucht es etwas Neues. Es geht um nichts Geringeres als um die Erkenntnis, dass die meist strahlenden Unternehmensführer in ihrem heute komplexen und unsicheren Umfeld tendenziell immer hilfloser werden. Feste Bezugspunkte, an denen man sich ausrichten könnte, schwinden dahin. Alles ist in Bewegung, und wird zudem immer schnelllebiger. Rast- und Ratlosigkeit machen sich da breit, wenn wir auf Positionen und damit auf die damit verbundenen Machtkämpfe setzen. Gleichwohl gibt man sich nach außen entspannt – so, als hätte man alles im Griff. Das Ergebnis können wir jeden Tag beobachten – in vielen Unternehmen.

Trotzdem: Big Data, ausgeklügelte Methoden, unser geschätztes Erfahrungswissen und die Lehrsätze in unseren Lehrbüchern, auf die wir so stolz sind, erweisen sich zunehmend als untauglich oder sogar gefährlich und kontraproduktiv. Das Einzige, worauf wir uns verlassen können, ist, dass auf die nächste Überraschung die Übernächste folgt. Es dämmert immer mehr, dass am Ende allein der alte Sokrates recht behalten wird: „Ich weiß, dass ich nichts weiß!“ Diese Bankrotterklärung des alles erklärenden Chefs ist dann der Beginn einer zukunftsorientierten und effizienten Sicht von Führung. Führung wird weniger wichtig, Positionen schwinden in die Bedeutungslosigkeit. Das Einzige worauf wir dann noch stolz sein können, ist unsere Leistung im Team. Ist doch nicht schlecht – oder? Damit ist aber eine Chance auf die Intelligenz und das Gespür einer engagierten Gruppe. Dafür müssen dann nur noch Rahmenbedingungen geschaffen werden wie die Wahl von Projektleitern, bindende Vereinbarungen in den Teams sowie der Einsatz von Entscheidungsmethoden in Gruppen.

Die rückwärtsgerichtete Reaktion auf diese Erkenntnis? Einerseits der Versuch, alles immer mehr zu kontrollieren. Menschen, Leistungen, Ergebnisse, Vorgehensweisen und Verhalten. Mehr Kontrolle führt jedoch, wie viele Forschungen zeigen zur Minderleistung. Zu einem immer weniger nutzen der Spielräume. Es existiert immer mehr vorauseilender Gehorsam, eine wachsende Selbstbeschränkung. Dabei ist die Existenz einer Atmosphäre des Vertrauens zentral für jeden großen Erfolg.

3. Die Suche nach Führung ist deshalb nicht notwendig. Führung entsteht immer von selbst in Teams, wenn diese für eine Gruppe notwendig erscheint. In unseren Unternehmen würde es reichen, wenn dieser spontane Prozess Raum bekommt. Dadurch wären hohe Freiheitsgrade und natürlich viel Engagement gegeben. Ich meine damit nicht, dass damit die Lautesten mehr Verantwortung bekommen sollten, nein – dafür wird ein Team schon selbst sorgen, dass dies nicht geschieht! Ich meine, dass Führungskräfte von den Teams gewählt werden sollten und natürlich auch abgewählt. Und die Lernkurve ist dabei steil! Das Einzige was klar sein sollte, wären die Regeln. Einige Unternehmen arbeiten bereits sehr gut damit. Und da gibt es vieles, was Produktivität unterstützt und natürlich unterbindet. Damit will ich mich später befassen.

Allerdings bedeutet Raum geben, sich zurückhalten. Und das fällt vielen schwer. Probieren Sie es doch selbst aus!

4. Diese sind für die Selbstführung entscheidend. Sind diese Regeln freiheitlich – lassen sie dem einzelnen genügend Gestaltungsspielraum, dann steuern diese eine Gruppe selbstständig. Auf Regeln, Methoden, Systeme und Modelle die ins Detail gehen, sollte weitgehend verzichtet werden. Nur solche Regeln nutzen, die Spielräume vermitteln und mehr Freiräume für eigene Entscheidungen geben. Dies erhöht Sensibilität und Engagement eines Teams.

Meine Erfahrung in vielen Unternehmen ist genau das Gegenteil. Da werden neue Methoden, Konzepte ohne Vorbereitung eingeführt. Das Rad wird dadurch immer wieder neu erfunden. Was dadurch geschieht, ist eine Einengung des Horizonts und damit eine Selbstbeschränkung die zu Minderleistung führt!

Regeln, Methoden, neue Modelle, Systeme etc. werden meist eingeführt, ohne dass wir genau prüfen, was dies für Auswirkungen mit sich bringt! Unsere Wahrnehmung funktioniert aber immer noch wie früher: das später Kommende wird immer als weniger wichtig angesehen, wenn wir nicht genau prüfen, welche Auswirkungen es hat! Nach meiner Beobachtung wollen neue Modelle, Methoden immer etwas korrigieren – so werden sie verkauft! – sie greifen deshalb fast immer beschränkend in die Kultur ein und sorgen dadurch für weniger Freiheitsgrade, obwohl sie gerade ja deshalb eingesetzt werden, um Effizienz zu erhöhen!

Jedes weitere System, jede weitere Methode schränkt Freiheitsgrade ein, wenn nicht ausdrücklich Altes verabschiedet wird! Mit der Zeit schränkt dies die eigenständige Kreativität und das Engagement immer mehr ein. Menschen wagen immer weniger Eigeninitiative! Damit sorgen solche Systeme genau dafür, dass der förderliche Effekt nicht eintritt, sondern sogar weniger Engagement der Fall ist. Es ist der Irrglaube, dass durch neue Methoden mehr Erfolg entsteht. All dies läuft über den Kopf der wirklich Engagierten hinweg, will denen das Mitdenken und –fühlen wegnehmen und tut es leider mit der Zeit auch. Übrigens: Die guten Unternehmen nutzen meist ganz wenige Methoden, dafür aber selbst entwickelte!

Dazu gibt es noch Einiges zu berichten. Fortsetzung dazu im nächsten Teil!
Zu Teil 1 kommen Sie hier

Herzlichst, Ihr
Bernd Hofmann

Kategorie: Führung | 25.08.2014

Brauchen wir Führung – Teil 1

Brauchen wir Führung? Nein – sie entsteht und vergeht auch wieder von selbst!

Vor einiger Zeit saß ich mit meinem Kollegen Andreas Zeuch zusammen, Autor des kreativen Buches: <Feel it!> – bei dem es um Innovation und Intuition im Unternehmen geht. Wir diskutierten über Führung. Brauchen wir die überhaupt? Er meinte damit formelle Führung, dass feste Positionen eher ein Zeichen des Alters einer Organisation seien.

Ich hielt diese Frage in unserer Diskussion zunächst nicht für so entscheidend, aber irgendetwas ließ mir keine Ruhe. Wie war denn der Bezug zwischen einer formalen Führungsposition und der Effizienz, der Atmosphäre und dem Alter einer Organisation? Sind weniger formelle Organisationen effizienter, flexibler, ist die Atmosphäre besser?

Ich suchte vor allem praktische Beispiele. Es gibt bei der Führung einmal mutiges Vorausgehen und zweitens Handeln im Sinne der gemeinsamen Vision. Dies ist potentiell im ganzen Unternehmen verteilt. Und es ist diese verteilte Führung als Ganzes, die ein Unternehmen letztlich nach vorne bringt. Also brauchen wir formale Führung? Nein und Ja.

Viele große und bewährte Organisationen kommen ohne sie nicht mehr aus. Dafür leben diese schon eine ganze Zeit. Denken Sie an große Aktiengesellschaften! Unternehmen wie VW, Cisco, Daimler Benz, Exxon. Es sind Unternehmen, die riesige Gewinne ausschütten. Aber ist das der Grund dafür, dass sie groß sind? Nein. Der Grund ist ihre Entwicklung, ihre Produkte und die Werte der Gründer und deren Leistung. Ich nenne sie Initiatoren. Es sind oder waren nicht unbedingt Führer im üblichen Sinn. Es sind die Leute, die alles in Bewegung setzten. Manchmal hatten oder haben sie enorme persönliche Schwächen. Bei Google holten sich die beiden Initiatoren sogar einen Manager von außen, mit dem sie erfolgreich zusammenarbeiten. Dann gibt es noch Menschen, die sich einer Vision, Idee, einem Konzept, einem Unternehmen zur Verfügung stellen. Helfer, die das umsetzen, was andere geschaffen haben.

Was ist noch wichtig? Vielleicht das Alter und die Größe. Aber auch unsere gesellschaftlichen Werte, die heute eher liberal und wenig hierarchieorientiert sind. Es gibt inzwischen auch eine Menge kleinerer Unternehmen, in denen Führung auf Zeit existiert, gewählt wird oder ganz auf sie verzichtet wird. Unternehmen orientieren sich immer an diesen und wenn Werte sich verändern, müssen sie mitziehen!

Meine Thesen

  1. Initiatoren und Führungskräfte. Initiatoren nenne ich Menschen, die neue Ideen, Konzepte, Projekte, Produkte umsetzen, die es bisher noch nicht gab. Diese müssen nicht unbedingt hohe Führungsqualitäten haben – denken Sie an Steve Jobs, der zu Beginn keine gute Führungskraft war! Und es braucht Menschen, die sich diesen Ideen und Visionen konkret zur Verfügung stellen.
  2. Führung entsteht spontan, wenn sie in einem System benötigt wird und es dadurch besser überleben kann, verschwindet auch wieder, wenn sie nicht gebraucht wird. Damit führen Unternehmen sich selbst, wenn wir dies zulassen können! Es ist die Selbststeuerung des Unternehmens, die bestimmte Personen an die Oberfläche spült – wenn Raum dafür entstehen kann!
  3. Die Suche nach Führung ist deshalb nicht notwendig. Führung entsteht immer von selbst in Teams, wenn diese für eine Gruppe notwendig erscheint. In unseren Unternehmen würde es reichen, wenn dieser spontane Prozess Raum bekommt. Dadurch wären hohe Freiheitsgrade und natürlich viel Engagement gegeben. Ich meine damit nicht, dass damit die Lautesten mehr Verantwortung bekommen sollten, nein – dafür wird ein Team schon sorgen, dass dies nicht geschieht! Ich meine, dass Führungskräfte von den Teams gewählt werden sollten und natürlich auch abgewählt. Das Einzige was klar sein sollte, wären die Regeln. Einige Unternehmen arbeiten bereits sehr gut damit.
  4. Was wirklich im Vorfeld geklärt werden muss, sind die Rahmenbedingungen oder Regeln, denen man sich als Team verschreibt. Diese sind für die Selbstführung entscheidend. Sind diese Regeln freiheitlich – lassen sie dem einzelnen genügend Gestaltungsspielraum, dann steuern diese eine Gruppe selbstständig.
  5. Auf Regeln, Methoden, Systeme und Modelle die ins Detail gehen, sollte weitgehend verzichtet werden. Nur solche Regeln nutzen, die Spielräume vermitteln.
  6. Regeln, Methoden, Systeme etc. werden meist eingeführt, ohne dass wir genau prüfen, was dies für Auswirkungen mit sich bringt! Und das danach Kommende wird immer als weniger wichtig angesehen, wenn wir nicht genau prüfen, welche Auswirkungen es hat! Nach meiner Beobachtung wollen neue Modelle, Methoden immer etwas korrigieren, sie greifen deshalb fast immer beschränkend in die Kultur ein und sorgen dadurch für weniger Freiheitsgrade. Jedes weitere System, jede weitere Methode schränkt Freiheitsgrade ein, wenn nicht ausdrücklich Altes verabschiedet wird! Mit der Zeit schränkt dies die Kreativität und das Engagement immer mehr ein. Menschen wagen immer weniger Eigeninitiative! Damit sorgen solche Systeme genau dafür, dass der förderliche Effekt nicht eintritt, sondern sogar weniger Engagement der Fall ist. Und dies ist genau das, was ich immer wieder beobachte. Es ist der Irrglaube, dass durch neue Methoden mehr Erfolg entsteht. All dies läuft über den Kopf der Engagierten hinweg, will denen das Mitdenken und –fühlen wegnehmen und tut es leider mit der Zeit auch. Übrigens: Die guten Unternehmen nutzen meist ganz wenige Methoden, dafür aber selbst entwickelte!
  7. Führung entsteht dadurch, dass sich Menschen andern zur Verfügung stellen. Warum tun sie das? Aus ganz persönlichen Gründen und das ist gut so! Wenn wir dem System die Gelegenheit dafür geben, wir müssen also nichts tun, sondern bestenfalls an den Rahmenbedingungen arbeiten und diese dann so lassen, dass dies geschehen kann. Semco in Sao Paulo seit 25 Jahren und aktuell das Berliner Unternehmen Dark Horse zeigen, wie Unternehmen erfolgreich sein können ohne Führungskräfte.
  8. Gerade für Führungskräfte ist es wichtig, etwas nicht nur mit dem Kopf sondern auch mit dem Herzen zu tun. Erst dann kann sich genug Kraft entfalten, dass sich alles selbst organisiert. Dies ist empathische Führung!
  9. Fest installierte Führung hat große Erfolge und auch die größten Schäden in Unternehmen erzeugt. Wer denn sonst? Die Kunden etwa? Viele Bücher über Führung tun so, als ob es am Wichtigsten wäre, Führungsrollen zu bestimmen! Aber da tun wir das, was sowieso immer im Fokus von Führungskräften stand. Es ist nichts Neues und nicht unbedingt förderlich, sondern meist hinderlich für den Erfolg. Sehr viel Zeit in meiner Beratungsarbeit musste ich mich der Beseitigung von Führungsfehlern widmen! Das ist kein Grund, darauf zu verzichten. Aber wenn Sie das, was wichtig für Sie ist, immer wieder selbst beeinflussen können, dann werden Sie sich auch immer dafür einsetzen! Dann haben Sie die Kraft des ganzen Teams zur Verfügung!
  10. Je formaler Führung in Unternehmen ist, je wichtiger diese erscheinen, desto älter und starrer sind solche Unternehmen.
  11. Wenn Unternehmen zu wenig auf die Werte einer Gesellschaft positiv reagieren, konservieren sie alte Werte und sind deshalb starrer und wirken älter.
  12. Führungskräfte sollen führen. Und weil sie dafür bezahlt werden, tun sie es auch – manchmal da, wo sie weder kompetent sind noch Übersicht oder Klarheit haben.
  13. Es ist für manchen etablierten Manager wichtiger, einen individuellen Akzent zu setzen, als effizient zu führen, denn das ist wenig spektakulär, wie Untersuchungen gezeigt haben. Wenn Positionen in Unternehmen als besonders wichtig angesehen werden, sind sie anfälliger für große Fehler. Je dynamischer Märkte sind, desto eher sollten Unternehmen auf institutionalisierte Führung verzichten. Viele Führungskräfte sind kaum ausgestattet, komplexe Situationen mitarbeiter- oder sogar kundenorientiert zu gestalten. Sie entscheiden auf der Basis von Theorien und Modellen und planen eine Zukunft aufgrund von Faktoren, die unvollständig sind und sich jederzeit ändern können.

Im nächsten Beitrag der Serie befassen wir uns weiter mit dem Thema!

Herzlichst, Ihr
Bernd Hofmann